Schmiermittel für Stapelschneider

  • Hallo zusammen,


    ich habe einen Stapelschneider (Marke IDEAL Typ 33905), der dringend einmal eine Wartung benötigt. Kann mir jemand ein gutes Schiermittel für die Schnecke und Mechanik empfehlen?


    Ich habe es vor längerer Zeit einmal mit Kettenfließfett probiert, aber das hat sich als nicht so ideal erwiesen.


    Danke im Voraus und viele Grüße


    Uwe

  • Hallo Uwe!


    Das Schmiermittel sollte auf mineralischer Basis sein. Keine biologischen Schmiermittel verwenden, denn die verharzen meistens und dann klemmt's irgendwo.

    Für die Spindel des Anschlags würde ich handelsübliches Kugellagerfett nehmen. Das gibt es überall (z.B. Baumarkt) in unterschiedlichen Mengen zukaufen. Vor dem fetten kann man die Rückstände etwas abwischen.

    Für Hebel, Bolzen, Büchsen etc. habe ich eine Schmierpresse. Das setzt aber voraus, dass die Stellen auch einen Schmiernippel aufweisen und die Schmierpresse zu enen diesen Schmiernippeln passt. Gibt es keinen Schmiernippel bleibt nur Öl, das dann durch die kleinen Ritzen in das Lager laufen kann. Welches Öl man verwendet ist eigentlich nicht so wichtig. Es geht zum Beispiel Motorenöl oder Getriebeöl vom Auto. Nähmaschinenöl ginge zur Not auch, aber es ist sehr dünnflüssig und läuft dann durch die ganze Maschine und bleibt nicht in der Lagerstelle.


    Buntpapier

  • Hallo Buntpapier,


    vielen Dank für den Tipp mit dem Kugellagerfett, das lässt sich ja recht einfach beschaffen (Maske ins Gesicht und ab in den Baumarkt).


    Schmiernippel hat der Stapelschneider leider nicht, die 3905 ist ein recht einfach gehaltenes Gerät (siehe Bild). Mit Öl habe ich leider keine so guten Erfahrungen gemacht. Ich hatte zwischenzeitlich einmal die Mechanik, die das Messer bewebt, mit konventionellem Schmieröl eingepinselt. Leider hat das Öl dann seinen Weg zum Messer gefunden und mir zwei Buchblöcke versaut. Vielleicht war es auch zuviel, aber ich habe den Film sehr dünn und vorsichtig aufgetragen.

    Gibt es nach Deiner Erfahrung Öle für Maschinen, die eine höhere Viskosität als Schmieröl aufweisen und dennoch für Schneidemaschinen geeignet wären?


    Nochmals danke und viele Grüße


    Uwe

  • Ja mehr Seifen (ja, wirklich Seife) man an das eigentliche Öl anhängt, umso zäher wird es. Heute werden bei den synthetischen Ölen andere Stoffe, die den Seifen überlegen sind, zugesetzt. Am Ende gibt es sehr unterschiedliche Produkte. Ein Motorenöl hat eine Viskosität (Zähflüssigkeit meist in SAE) von 15, 30, 45 und so weiter. Ein Getriebeöl hat meistens einen Wert von 80, 90 oder so. Polar hat für die klassische Spindel des Sattelantriebes ein Öl mit einem Wert von 220 empfohlen.


    Der Kunde hat am Ende zwei Faktoren abzuwägen:

    1. Die Viskosität

    Je zäher der Schmierstoff ist, umso schwieriger wird es ihn in das Lager zu bringen. Deshalb gibt es Schmiernippel.

    Umso flüssiger ein Schmierstoff ist, umso einfacher funktioniert die Schmierstoffverbreitung. Ein Beispiel sind dafür die Rostlöser als Spray. Sie besitzen neben dem Schmierstoff noch Kriechöl! Das Zeug soll sich ja selbsttätig in jeder erdenkliche Ritze vorarbeiten.


    2. Die Beschaffung

    Die Kosten für den Schmierstoff sollen ja zumindest einigermaßen im Rahmen sein.


    Vielleicht kann man beim Ölen der liebgewonnenen Ideal einen Lappen oder ein Papiertaschentuch unter die Hebel stopfen und nach der Wartung wieder entfernen. Die Alternative ist natürlich weniger und öfter schmieren.

    Eine andere Frage ist ja sowieso, wie viel Schmierung man braucht. Wenn ich einmal am Tag schneide oder 100 mal pro Tag ist das ein wesentlicher Unterschied. Ist denn schon etwas an der Maschine kaputt gegangen? Maschinenhersteller geben in der Bedienungsanleitung oft einen Wartungsintervall an. Im Internet habe ich aber in den verfügbaren Bedienungsanleitungen für vergleichbare Ideal-Geräte nichts gefunden.


    „Wer gut schmiert, der gut fährt“ hat seine Berechtigung. Bei Schneidmaschinen gibt es wie Du schon geschrieben hast die Schwierigkeit mit dem Messer. Das ist bei großen Maschinen nicht anders. Vielleicht muss man doch etwas weniger schmieren.



    Buntpapier

  • Seifen, hm - Tenside werden ja normalerweise eingesetzt, um Oberflächenspannungen von Stoffen zu reduzieren. Daher hätte ich vermutet, dass Öl, dem Tenside (oder Seifen) begemischt werden, weniger zähflüssig werden und nicht das Gegenteil. Warum ist es dennoch anders herum, weißt Du das zufällig?


    Noch einmal herzlichen Dank für Deine Tipps, ich werde das einmal ausprobieren.


    Viele Grüße


    Uwe

  • Ich habe ein Bild angehängt. Das Bild zeigt zwei extremvereinfachte Molekularketten.


    Die obere Darstellung ist reines Oktan C8H18. Wir älteren kennen ja noch die Oktanzahl (heute ROZ) vom Benzin an der Tankstelle.

    In der mittleren waagerechten Reihe befinden sich die Kohlenstoffatome (C). Darüber, darunter, links und rechts sind die Wasserstoffatome (H). Man kann sehen, dass die Wasserstoffatome miteinander doppelt verbunden sind. Alle anderen Verbindungen sind einfach.


    Die untere Darstellung zeigt die einfachste Veränderung von Oktan zum Beispiel hin zu Kunststoff oder in unserem Fall zu Fett. Die doppelte Verbindung kann man relativ einfach öffnen und dort andere Stoffe anhängen. Das beeinflussen der doppelten Kohlenstoffverbindung ist der Grundstein dafür, das heute fast die gesamte chemische Industrie auf Kohlenwasserstoffen Basiert. Man kann hier vieles anhängen, auch Seife. Oder die ganze Kette teilen, verbiegen, ringförmig gestalten und so weiter.

    Historisch betrachtet hat man früher wirklich Natrium- oder Kalium-Salze (also unsere alte Seife) an die Kohlenwasserstoffe gehängt. Das Problem war aber die Verbindung. Wer die Verbindung nicht ordentlich oder einfach nur überaltert, haben sich Seife und Kohlenwasserstoff getrennt. Dann ist das Kohlenwasserstoff wie Öl zum Beispiel aus dem Kugellager heraus gelaufen und die verbliebene Seife hat das Kugellager blockiert. Das war meine erste Erfahrung mit Schmierfetten. Manche Dinge vergisst man nicht.


    Die modernen Tenside funktionieren das viel besser. Ja auch bei Oberflächenspannung, Emulsionen, etc. Der Vergleich mit den Tensiden ist wirklich nicht so weit weg wie es erscheint.


    Aber da kenne ich mich nicht aus.

    Buntpapier