• Hallo zusammen,


    ein Kollege von mir hat mir einige Bögen sehr schönen Papyrus aus Ägypten mitgebracht (vor Corona).


    Ich habe hinsichtlich der Verwendung und Verarbeitung einmal in der (deutschen und englischsprachigen) Fachliteratur gestöbert, aber leider nicht viel dazu gefunden. Papyrus scheint in diesem unserem Kulturraum nur dann eine Rolle zu spielen, wenn es um historische oder konservatorische Aspekte geht.


    Für einen Kodex ist es vielleicht etwas zu wenig Material, auf einer Einbanddecke würde es sich evt. schön machen. Aber wie ist es um die Falzbarkeit bestellt? Dazu habe ich widersprüchliche Informationen gefunden, Tendenz eher: ich nicht so geeignet dafür.


    Hat jemand schon einmal mit Papyrus in der Buchbinderei gearbeitet? Wenn ja, wofür wurde er verwendet und welche Erfahrungen wurden damit gemacht?


    Für Ideen, Anregungen, Erfahrungen und sonstige Rückmeldungen herzlichen Dank im Voraus.

  • Sehr spröde/brüchig was Falzbarkeit betrifft.


    Der gute Herr Dr. h. c. Hugo Ibscher hat da einiges zum thema geschrieben, aber eher so wie Du beschreibst, "wenn es um historische oder konservatorische Aspekte geht."

  • Hallo Seitenschneider,

    Papyrus musst Du ziemlich gut einweichen damit er weniger spröde ist und sich z.B. um Buchkanten legen lässt. Selbst dann kann es Dir passieren, dass einzelne Fasern hart bleiben und einfach abbrechen. Außerdem ist die Geschichte dann recht feucht und von daher ist es gut, wenn der Leim etwas dicker/klebriger ist... und, je nachdem wie dick bezw. gut gearbeitet das Papyrusblatt ist drückt der Leim auch mal gerne durch. Im Grunde macht das aber nichts, denn zumindest beim dunklen Papyrus sieht man das nachher nicht mehr. Wie das mit hellem ist weiß ich nicht.

    Nicht ohne Grund konnte sich Papyrus in Buchform nicht durchsetzen. Selbst wenn Du das gut durchgeweicht faltest.. sobald er trocken wird ist er wieder hart und bricht. Gerollt oder als Palmblatt-Buch gebunden funktioniert es aber.

    Achja und noch was: man darf da nicht geruchsempfindlich sein: feucht stinkt zumindest der dunkle Papyrus arg nach.. ja .. Kuhstall! Getrocknet verliert sich der Geruch wieder. Ob der Geruch bei dem hellen auch war weiß ich nicht mehr.


    Gruß Papierfrau

  • Vielen Dank für die Tipps, die sehr viel konkreter sind als alles, was ich zu dieser Frage in der Literatur und im Internet gefunden habe.

    Nicht ohne Grund konnte sich Papyrus in Buchform nicht durchsetzen.

    Ja, der Grund wird mir auch so langsam klar. Aber die Bögen bzw. das Material, die ich geschenkt bekommen habe, sind halt trotzdem sehr schön und es wäre ein Jammer, wenn man daraus nicht irgendetwas Interessantes machen könnte. Ich werde einmal einen Bogen für Versuche mit dem Material opfern, Versuch macht bekanntlich kluch. Das Wetter lässt ja zum Glück arbeiten im Freien zu, wenn der Papyrus im feuchten Zustand "negativ olfaktiert" (vulgo: stinkt).


    @Palmblattbuch: interessante Idee, habe ich noch nie gemacht. Oder vielleicht doch das Nag-Hammadi-Modell, das ich schon immer mal bauen wollte. Aber dazu muss man den Papyrus wieder falzen ... naja, mal sehen.