Auswahl Beschneidehobel

  • Liebes Forum,

    ich möchte mir gerne perspektivisch einen Beschneidehobel zulegen und denke hierbei an zwei Möglichkeiten: Entweder die Verwendung eines Kreismesserhobels zusammen mit einer Klotzpresse (die ich bereits habe) oder aber das Beschneidegerät von Louet aus den NL. Diese zweite Variante wirkt zumindestens auf den Abbildungen recht robust und z. B. auch mit der Buchblockhalterung sehr durchdacht, wobei ich in keiner Weise weiß, ob das Ergebnis und die längerfristige Haltbarkeit wirklich etwas taugen. Andere Louet-Produkte habe ich schon gesehen und auch ausprobiert: Gut waren die alle.

    Was könnt Ihr mir raten? Gibt es Erfahrungen im konkreten Vergleich?

    Herzliche Grüße und vielen Dank

    Rainer

  • Hallo Rainer,


    auch wenn ich persönlich offen gestanden keine Erfahrung mit den von Dir beschriebenen unterschiedlichen Beschneidehobeln habe, hilft Dir vielleicht folgende Information weiter:


    Schmedt hat einen Beschneidehobel mit Kreismesser im Sortiment ...

    https://www.schmedt24.de/buchb…eidehobel-mit-kreismesser

    ... und zeigt ihn auch in einem kleine Werbevideo (ab 00:24 min):



    Sascha Boßlet (buch-kunst-papier.de) hat ein alternatives Modell im Sortiment und stellt dies in in einem Produktblatt vor:

    https://www.buch-kunst-papier.…hinen/beschneidehobel.php


    Ich kenne beide Anbieter als sehr auskunftsfreudig, wenn man sie gezielt nach ihren Produkten anspricht.


    Viele Grüße


    Uwe

  • Hallo Uwe,

    vielen Dank für Deine Anregungen! Beide (Video-) Quellen kannte ich bereits. Ich würde nur gerne nach Möglichkeit - unabhängig von expliziten Händleranfragen - Erfahrungen von Anwendern recherchieren. Die Kombination Hobel + Klotzpresse hat ja lange Tradition und ist aus historischer Sicht vermutlich über jeden Zweifel erhaben. Vom Handling her scheint mir die Louet-Konstruktion irgendwie pfiffiger.

    Erst mal soweit!

    Viele Grüße

    Rainer

  • Hallo Rainer,

    ohne jetzt explizit damit gearbeitet zu haben würde ich ebenfalls sagen, dass es vermutlich etwas einfacher ist, mit der Louet-Konstruktion zu arbeiten. Alleine die Art, wie bei diesem Modell die Kraft auf den Werkprozess angewendet wird (im Vergleich zu Beschneidhobel +Klotzpresse) ist vermutlich günstiger.

    Die Kombination Hobel + Klotzpresse hat ja lange Tradition und ist aus historischer Sicht vermutlich über jeden Zweifel erhaben.

    Ich bin immer sehr skeptisch, wenn die Berechtigung einer Technik aus ihrer langen historischen Tradition abgeleitet wird. Das kann stimmen, muss es aber nicht. Viel zu oft heisst es aber auch, dass man sich einfach nicht weiterentwickelt hat, obwohl Potential dafür da gewesen wäre. "Das haben wir schon immer so gemacht" oder "das war noch nie so" sind so typische Beispiele. Traditionsbewußtsein ist nicht immer eine Tugend, manchmal aber eine bequeme Ausrede.

    Damit will ich nicht sagen, dass es in diesem Fall so ist, aber ich finde es lohnt sich, ab und an einmal historisch Überkommenes in Frage zu stellen.

    Viele Grüße

    Uwe

  • Hallo Rainer,

    also ich hab noch nie mit einem Beschneidhobel gearbeitet. In dem Video von Schmedt fällt mir aber auf, dass der Hobel ziemlich hin und her wackelt und von daher kann ich mir gut vorstellen, dass der Schnitt dann auch entsprechend aussieht. Leider sieht man den fertigen Schnitt auf dem Video nicht so genau. Meiner Ansicht nach fehlt da eine Art Führungsschiene für den Hobel... kann man sich aber sicher leicht selbst hinmachen.

    Der Tischschneidhobel von S. Boßlet scheint stabiler zu sein -- vorausgesetzt der Buchblock läßt sich da einpressen. Sieht man auch nicht so genau auf dem Foto.

    Auf Pinterest gibt's irgendwo einen Link zur Anleitung zum Selberbauen. Kann ich nächste Woche mal schaun ob ich das wiederfinde ( bin grad nicht zu Hause am heimischen PC).

    Gruß Papierfrau

  • Anleitung zum Selberbauen

    Hallo Papierfrau,

    bei "Kingdom-of-Script" gibt es so eine Anleitung (https://www.kingdom-of-script.…ittelalterlicher-art.html), aber vermutlich ist das nicht die, die Du meinst, weil sie den Bau eines "klassischen" und nicht eines Tischschneidehobels beschreibt. Aber für eine Bauanleitung aus dem Internet ist sie ziemlich präzise und erfreulicherweise zur Abwechslung einmal in deutscher Sprache. :)

    Viele Grüße

    Uwe

  • Hallo Rainer!



    Ich habe dieses Louet vor Jahren auf einer kleinen Ausstellung in Köln gesehen. Wenn man 30 Jahre in einer Schneidemaschinenfabrik zubringt sticht natürlich überall alles was mit Schneiden zu tun hat sofort ins Auge. Das Gerät ist eigentlich nicht so schlecht.


    Ich denke es ist recht einfach und ordentlich zu benutzen. Das Gerät von Louet gefällt mir wesentlich besser als das Produkt in dem Video von Schmedt. Wie Papierfrau schon schrieb hüpft das Beschneidewerkzeug mehr über die Buchkante als es gleitet. Da kann man auch ein modifiziertes Stemmeisen nehmen (siehe: https://www.youtube.com/watch?v=X9EZhXQ1p1c).


    Für mich gibt es aber zwei negative Punkte am Louet-Gerät.


    Ich finde den Preis extrem hoch. Das ganze Ding sind einige Holzteile und fertig. Mich hat der Preis als ich das Gerät damals gesehen habe wirklich geschockt.


    Das Zweite ist die runde Scheibe also die Klinge. Man kann sie sicherlich nicht so einfach nachschleifen. Und weil das Nachschleifen eine Scheibe technisch aufwendig ist, sind die Scheibenhobel vor langer, langer Zeit aus der Mode gekommen. Ein Franzose hatte den Zungenhobel, den Uwe (Beispiel - Kingdom of script) erwähnt hatte, erfunden. Und von da an konnte jeder begabte etwas Buchbinder oder zumindest jeder Scherenschleifer die Zunge einfach und schnell nachschleifen. Soweit mein historischer Beitrag - Lach.


    Der Preis dieser Scheibe / Klinge wird auch nicht klein sein. Sicher, man kann die Scheibe weiter drehen und dann mit einer anderen Stelle weiterschneiden. Aber mal ehrlich, wenn wir einen Cutter mit den abbrechbaren Klingen benutzen sehen wir wie groß der Verschleiß ist.



    Soweit meine Meinung. Es gibt aber vielleicht noch einen Gesichtspunkt. Wenn ich mir den Preis für ein Louet-Gerät in Ruhe durch den Kopf gehen lasse, dann fällt mir gleich ein, dass man auch zu einer Druckerei oder Buchbinderei gehen kann um ein Buch beschneiden zu lassen.


    Ein anderer Punkt sind gebrauchte Schneidemaschinen. Hier im Forum gibt es einiger Beiträge die sich damit befassen. Das größte Problem war in der Regel der Platzbedarf solcher Geräte. Aber es gibt immer mal wieder schöne alte Gußbrocken für wenig Geld. Also Grundsätzlich würde ich mal sehen was es für Alternativen gibt. Bei „http://kleinergleichpapier.de/“ (siehe Beitrag von Uwe) ist auf dem ersten Bild zur Werkstatt ein wunderschöner alter Stapelschneider zu sehen. Wenn man bei Ebay in Ruhe sucht kann man viel finden.



    Buntpapier

  • Vielen Dank an alle für Eure differenzierten und vor allem auch kritischen Rückmeldungen!


    Mit so manchen eigenen Bedenken fühle ich mich durchaus bestätigt: Ein Kreismesser mit Bordmitteln nachzuschleifen (wie hält man das dann vernünftig?) dürfte vermutlich nahezu unmöglich werden; ich kenne einen sehr begabten Lederkünstler mit jahrzehntelanger Erfahrung, der bereits beim Herrichten seiner Halbmondmesser flucht und schimpft und sich öfter mal in die Finger schneidet ... Eine Zungenhobelklinge wäre da schon besser.


    Auch der Kostenaspekt (v. a. beim Louet-Gerät) ist ein Argument. Das ist ein wirklich sehr stolzer Preis, den ich allenfalls nur akzeptieren würde, wenn wirklich nichts wackelt und klemmt. Vielleicht finde ich doch eine Möglichkeit, das Teil auf einer Ausstellung oder bei einem Einzelnutzer direkt in Augenschein nehmen zu können. Herr Boßlet bestellt meines Wissens Louet-Produkte auch nur auf Kundenzuruf direkt in den NL.


    Den Weg zum regionalen Buchbinder oder in eine Druckerei zum Blockbeschneiden habe ich bisher immer wieder genommen, wenn lagenweises Beschneiden keine rechte Option war. Ich wäre halt zukünftig gerne etwas autonomer, wobei für mich selbst ein kleineres Eisenmonster aus Platzgründen nicht in Frage käme.


    Herzliche Grüße


    Rainer

  • Hallo Rainer,

    mir kam gerade noch so ein Gedanke: vielleicht stellt die Firma Louet ja auf Anfrage Kontakt zu einem Käufer in Deutschland her, mit dem Du Dich ggf. einmal direkt über den Hobel unterhalten könntest ...? Eine Frage wäre es wert, mehr als "nein" sagen können sie nicht.

    Viele Grüße

    Uwe

  • Und auch noch einmal mein Senf dazu.


    Uwe war schneller als ich. Es ist aber völlig korrekt. Vielleicht kann der Lieferant in Holland einen Kunden in der Nähe benennen. Oder einfach mal einen Urlaub in Holland machen. Amsterdam ist schön.


    Man kann sowohl Klingen für die Lederbearbeitung, wie auch runde Scheiben schleifen und am besten danach abziehen. Ich habe mir vor Jahren ein schwedisches Gerät zum Schleifen für meine Stemmeisen und Hobelmesser gekauft. Da muss man eine kleine Vorrichtung anbauen und dann die runden Scheiben / Klingen bei permanenter Drehung schleifen (siehe Bild).

    Das Schleifgerät ist dann aber fast so teuer wie das Schneidegerät (ich höre ja schon auf). Gute Messerschleifer (für Messer von großen Papierschneidemaschinen) können so etwas auch. Da müsste man den Preis erfragen.


    Das mit dem Schmirgelpapier, wie es auf der Internetseite von Louet gezeigt wird, ist wohl nicht nur nicht praktikabel. Ich habe auf der Internetseite auch keinen Preis für eine Ersatzklinge gefunden.


    Buntpapier

  • Nochmals vielen Dank für die ergänzenden guten Anregungen und auch den Hinweis auf das Turbo-Schleifgerät (ich habe schon mal im Kopf zusammengerechnet ... :-)).

    Und ich habe bereits die Fühler nach Referenzkunden ausgestreckt - vielleicht komme ich damit tatsächlich weiter. Sollte sich hier etwas Hilfreiches tun, werde ich auf jeden Fall berichten!

    Herzliche Grüße

    Rainer

  • interessante Beiträge. Hab mal so einen Hobel wie der Mensch da verkauft selbst gebaut.

    Aus einem Dönermesser. Das geht halbwegs, wenn man nicht zu ungeduldig ist, wirds auch gerade. Für meine Zwecke, sprich 5 Bücher im Jahr, reicht das voll un ganz.

    Schleifen tu ich das mit Schmirgelpapier. Da die Halterung so konstruiert ist, dass ich das Messer ausbauen und dann damit halten kann geht das auch.

    (Die kleinen runden Kreismesser gibt es von Stanley wie Cutterklingen, ob sich da schleifen überhaupt lohnt?)

    So sieht der dann in Aktion aus.

    https://www.theostern.de/Buchbind/DSCN1792-klein.JPG

  • Hallo Theo!

    Der Selbstbau ist mit Sicherheit nicht schlechter als das Gerät im Video. Ich finde sogar die hohe hölzerne Rückseite besser gemacht. Im Video werden die letzten Buchseiten nur mit der dünnen Pappe abgestützt. Da ist ein Holz besser und etwas Makulatur, damit man nicht ständig ins Holz schneidet hat auch jeder.

    Es gibt viele Messerschleifer, die auch Rundmesser (zum Beispiel für die Lebensmittelindustrie) schleifen. Vielleicht kann man ein mehrmals von Hand geschliffenes Messer für wenig Geld wieder in Form bringen. Aber Vorsicht die Messer sind dann wirklich scharf.

    Buntpapier