Buchbinden Reihenfolge?

  • Ich hab ja bislang schon ein paar Bücher gebunden. Aber mit dem Ergebnis war ich nie zu 100 % zufrieden. Ich bin da evtl. aber auch mein schärfster Kritiker.


    Wie ist da eigentlich die korrekte Reihenfolge? Unabhängig davon, was für eine Hefttechnik, Gestaltung des Covers oder Material ich verwenden möchte. Mögt ihr einmal schauen, ob meine Überlegung richtig ist oder ob da noch etwas ergänzt oder entfernt werden muss?

    Im Netz findet sich so einiges dazu, aber ich bin mir da nicht ganz sicher, ob das alles richtig ist, was da so geschrieben steht.


    1. das gewählte Papier falzen

    2. die Löcher zum heften vorstechen (mit Hilfsmittel Vorstechschablone und Ahle/Nadel) - evtl. noch eine Wiege (auf englisch cradle) zu Hilfe nehmen

    3. die Signaturen heften (auf Bänder oder Schnüre)

    4. das Kapital anbringen (entweder gekauft oder handgestochen)

    5. Kraftpapier oder Schrenz anleimen, um den Höhenunterschied auszugleichen

    6. Schirting oder Gaze anleimen

    7. das Cover soweit vorbereiten, dass ich den Buchblock einhängen kann


    da geh ich dann folgendermaßen vor?


    1. ausmessen, wie groß ich die Graupappe zuschneiden muss (plus umlaufenden Rand mit einrechnen)

    2. die Einlage für den Rücken zuschneiden

    3. die Deckel beziehen mit dem gewählten Einbandstoff

    4. die Rückeneinlage auch soweit vorbereiten und leimen, dass ich sie mit den Deckeln verbinden kann

    5. Vorsatz anbringen

    6. Cover und Buchblock verheiraten

    7. alles gut abpressen


    Wo ich jetzt die ganze Zeit noch überlege, ist, wie ich die Bänder/Schnüre und das Schirting/die Gaze am Deckel befestige, damit das ganze Buch später gut stabil bleibt.


    Muss ich das Band/die Schnüre auffächern vor dem anleimen und wird das innen oder außen angeleimt (ich denke mal, dass das dann doch wohl eher mit dem Einbandmaterial zu tun hat?). Ich hab das jedenfalls schon so und so gesehen.

    Und wie gehe ich beim Schirting/bei der Gaze vor? Wird dies am Deckel innen angeleimt für die Stabilität? Und kommt darauf (nach dem Ausgleich des Höhenunterschiedes innen) dann das Vorsatzpapier?


    Ach Mensch, die Fragen bei mir nehmen gar kein Ende.:/

  • Grundsätzlich hasse ich es Pläne zu machen und Regeln zu folgen. Vieles weicht von der Norm ab. Egal – ich will es versuchen


    Bei der ersten Liste fehlt mir nach 3. Das Anbringen des Vorsatzes, das Ableimen des Buchblocks, das Hinterkleben, wenn gewünscht das Abpressen und dann wahrscheinlich das Beschneiden des Buchblocks. Zu dem Ableimen des Buchblocks würde ich auch das einfache Ankleben der Bänder auf das Vorsatz oder das Auffächern von Bändern und schnüren mit aufkleben auf’s Vorsatz zählen.


    Den Punkt 5. habe ich nicht ganz verstanden. Ich habe es so gelernt, dass der Buchblock bei einem Gebrauchsbuch beim Ableimen gleich mit Gaze hinterklebt wird. Die Gaze reicht dann je nach Buchgröße etwa 2 cm auf’s Vorsatz. Die Hülse haben wir zwischen die Kapitalbänder gesetzt und nicht auf das Kapital. Dadurch entsteht ein gewisser Höhenausgleich am Rücken. Ist die Rückeneinlage sehr dünn muss man es mit dem Höhenausgleich ernst nehmen.


    Bei der zweiten Liste würde ich unter 1. Noch den Abstand zwischen den Deckeln und der Rückeinlage bedenken. Hier gibt es durch unterschiedliche Geschmäcker und verschiedene Verwendung 3 bis 7 mm. Das ist recht unterschiedlich.


    Außerdem ist nach 3. ein Ausgleich auf den Innenseiten der Buchdeckel für den Bezugstoff recht hübsch, aber nicht zwingend vorgeschrieben.


    Wenn die Decke bezogen ist. sollte man sie Beschwert trocknen lassen. Denn wenn die Deckel trocken sind kann man den Zug (sieh unten) gut erkennen. Vor dem Verheiraten kann man die Rückeinlage runden.


    Beim Verheiraten habe ich immer noch die Gaze mit starkem Klebstoff auf das Vorsatz klebt und dann direkt danach das Vorsatz eingeschmiert. Danach wäre die Reihenfolge ungefähr (weil es unterschiedliche Wege gibt) so: Zuerst die Hülse an der Rückeneinlage der Decke verkleben. Dann kontrollieren ob die Decke richtig sitzt und gut anreiben. Sofort oder nach etwas Wartezeit die Gaze auf das Vorsatz kleben, das Vorsatz anschmieren, das Vorsatz vorsichtig an den Ecken knicken (denn sonst rollt sich das Vorsatz), warten bis das Vorsatz genug gedehnt ist*, den Deckel schließen, den Deckel von außen gut anreiben, den Deckel öffnen und den überflüssigen Leim vertuschen, eine dünne Graupappe (größer als das Buch) einlegen, den Deckel wieder schließen und das zweite Vorsatz einhängen.

    * Das Warten ist eine Gefühlssache. Es richtet sich danach wie viel Zug außen auf dem Deckel vorhanden ist und wieviel man diesem Zug innen entgegensetzen muss. Außen haben wir den Bezugstoff. Elefantenhaut zieht wie Hölle, Papier zieht kräftig, Leinen zieht etwas. Innen haben wir eventuell den Ausgleich auf den Innenseiten der Deckel und das Vorsatz. Ist der Zug richtig, wölben sich die Deckel beim fertigen trockenen Buch ganz leicht nach innen. Ist das nicht so, muss man vertuschen.


    Vor dem Abpressen ist die eingelegte dünne saugfähige Graupappe wichtig. So wird das Vorsatz beim Trocknen weniger wellig. Denn die Feuchtigkeit vom Leim und/oder Kleister wird durch eine dünne Graupappe ordentlich aufgesogen und kommt nicht weiter in Richtung Buchblock.


    Die Vorgehensweise in den beiden Listen bezieht sich auf einen Buchblock und eine dreiteilige Decke. Wenn man die Deckel einzeln an den Buchblock anbringt und danach bezogen wird, ist die Reihenfolge schon sehr unterschiedlich.


    Buntespapier .....

  • Hallo Karin,


    vielleicht solltest du zu Weihnachten Basis-Fachliteratur in Erwägung ziehen (auf deine Wunschliste schreiben).


    Da das Angebot mittlererweile recht groß ist, müsstest du dich selbst mal umschauen,

    was für dich interessant ist.

    Ob dich eher ein "Bildband" oder

    an Hand von Skizzen erklärte Themen "ansprechen".

  • Buntespapier klingt hübsch. :-)


    Ich hab´s tatsächlich so gesehen, dass da jemand zuerst Kraftpapier für den Ausgleich der Höhe verwendet hat und dann noch Schirting aufleimte. Das mit der Hülse hab ich noch nicht gemacht und werde das einfach mal versuchen.


    Dass es da viele verschiedene Arbeitsweisen - je nach gewünschtem Ergebnis - gibt, ist mir durchaus bewusst. Und ich weiß ja auch, dass ich noch ganz viel zu lernen habe.

    Grundsätzlich ging es mir darum, dass ich da eine gute Basis bekomme, worauf ich aufbauen kann. Eine gute Basis ist ja schon die halbe Miete. Alles andere kommt ja durch´s machen und dabei lernen und Erfahrungen sammeln.


    Das mit dem abpressen mache ich grundsätzlich, weil ich ja gerade Ergebnisse möchte und keine Teller oder sowas. Deswegen hatte ich das diesmal nicht mit aufgeführt, weil es mir durchaus klar ist, dass ich das machen muss. Aber das gehört ja doch in diese Liste mit rein.


    So ganz falsch lag ich also nicht mit meiner Reihenfolge und wenn ich eure Tipps beherzige, wird´s auch bald was werden mit dem besser werden. :-)


    Das mit der Fachliteratur macht echt Sinn. Das werde ich machen. Ich denke mal, dass ich mir das Buch "Schachtel, Mappe, Bucheinband" von Franz Zeier zulegen werde. Da habe ich gelesen, dass sich das für Anfänger (auch im Hobbybereich) gut eignet.


    Danke für eure Hilfe und vor allem mit eurer Geduld mit mir.

  • Ich musste gerade lachen wegen deiner Unterschrift.^^


    Oh Mist. Das hätte ich eher wissen müssen. Ich hab mir das jetzt neu bei Thalia bestellt.:rolleyes:

    Dann schau ich dort eben beim nächsten Fachbuch. Da kommt ja bestimmt noch das ein oder andere im Laufe der Zeit dazu.

  • Ach, ich bin gerade total glücklich :love:. Ich hab vorhin meinen Zeier abgeholt, hab auf die Schnelle auch schon einen Blick hinein geworfen und bin jetzt schon begeistert vom Inhalt. Das war definitiv kein Fehlkauf. Jetzt dürfte das in Zukunft besser werden bei mir mit dem binden und bauen. Heute Abend werde ich dann genauer reinschauen können. Fernsehen ist ja sowieso zu langweilig und bietet nur Wiederholungen.