Stadplan aufziehen

  • Ich habe ältere Landkarten gesehen, die in rechteckige Stücke geschnitten auf Gewebe aufgezogen waren. Ich möchte ähnliches mit dem letzten Stadtplan, den ich noch habe machen. Es werden ja von kleineren Orten keine mehr gedruckt). Er ist nur eiseitig bedruckt.

    Dazu einige Fragen:

    - unter welchem Namen wird das dafür geeignete Gewebe gehandelt? Gibt es das noch? Alternativen?

    - wie breit sollten die freien Streifen zwischen den Kartenstücken sein?

    - gibt es evtl. im Netz eine Anleitung?


    Im voraus vielen Dank


    Friedrich Hattendorf

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    Lernen ist wie das Rudern gegen den Strom;

    sobald man aufhört, treibt man zurück

    Benjamin Britten

  • Hallo Herr Friedrich Hattendorf!


    Zuerst ein herzliches Willkommen im Buchbinderclub!


    An die Wanderkarte erinnere ich mich sehr gut. Der Seniorchef rief mich gleich als der Kunde gegangen war. „Komm Klaus, das musst Du sehen.“ Er nahm die Karten des Kunden, faltete sie auseinander, legte sie auf die Pappschere und begann munter die Karte in gleichgroße Rechtecke (etwa in DIN A5 Größe) zu zerschneiden. Dabei beachtete er genüsslich mein Gesicht. Ich Stand wie versteinert neben ihm und wusste nicht ob ich entsetzt oder besser fragend dreinschauen sollte. Zuerst schnitt er die Streifen ab und dann die einzelnen kleinen Stücke. Danach drehte er den Stapel um, nummerierte die einzelnen Stücke und hielt sie mir hin. Dann lachte er sich eins und sagte: „Das wird eine Wanderkarte.“ Das Entsetzen war wohl aus meinem Gesicht verschwunden, aber der fragende Gesichtsausdruck war mir noch anzusehen. „Ich zeige dir wie das geht. Das ist total einfach.“ Dann ist er verschwunden und kam mit einer großen Rolle schwarzem Stoff wieder. Der Stoff wurde auf dem Tisch ausgerollt und die Kartenstücke mit etwa 2 cm Abstand auf den Stoff gelegt. „Siehst Du? Die Kartenstücke werden nur aufkaschiert und dann kann man die Karte an den Stegen einfach knicken ohne das die Karte leidet.“ Einfach aber gut, dachte ich. So habe ich meine erste und einzige Wanderkarte gesehen.


    Ich glaube im Buch „Sonderarbeiten des Buchbinders“ von Fritz Wiese gibt es eine kurze Beschreibung. Aber ich finde das Buch nicht mehr. Wer weiß wo es sich versteckt. Ich werde wohl doch alt.


    Ich würde einen schweren schwarzen Baumwollstoff probieren. Wir haben die Kartenstücke damals nicht dehnen lassen. Anschmieren, schnell auf den Stoff legen und anreiben. Danach beschweren und trocknen lassen.


    Klaus

  • Noch einmal vielen Dank für den Tipp mit dem Buch „Sonderarbeiten des Buchbinders“ von Fritz Wiese. Ich habe es mir über eine Suche bei eurobuch.com besorgt.

    Das Thema wird ausführlich behandelt. Die wichtigsten Unterscheide zum obigem:

    - Shirting; das Ist doch meist weiß?

    - 3-4 mm zwischen den Einzelstücken

    Wiese empfiehlt Planatol BB; dann dehnt sich der Shirting kaum

  • Den Abstand zwischen den Kartenteilen würde der Kunde bestimmen. Einige Millimeter erscheinen mir zu gering. Unter einem Zentimeter würde ich es nicht versuchen. Du musst bedenken, dass es bei einer Karte doch einige Knicke geben wird. Die ersten Knicke tragen nicht so sehr auf. Wenn man dann aber quer knickt wird das ganze Material stark auftragen. Und die Idee ist ja eben nicht das Papier zu knicken. Also braucht man Platz zwischen den Papierstücken.

    Stoff dehnt sich auch- Aber entgegengesetzt zum Papier. Stoff wird in einer Richtung kleiner wenn er feucht wird. Theoretisch kann man auch genau sagen welche Richtung das ist. Dann muss man aber sehen können was Kette und was Schuss ist. Mit der Webkante kann man das leicht bestimmen. Weiß man wie der Stoff gefertigt wurde kann man messen, feuchten und wieder messen. Für Karten aufziehen ist das aber viel zu theoretisch. Das Dehnen wird man fast nicht merken. Ich würde das vernachlässigen.

    Klaus