Literatur zum Thema Reinigung und Restaurierung von Büchern

  • Hallo zusammen,


    in meinem Büro stehen unzählige uralte Bücher. Schon lange überlege ich mir, manche davon als "Versuchsobjekt" zu verwenden und zu versuchen, diese zu restaurieren.


    Nun hab ich bisher ja wenig bis keine Ahnung. Im Netz habe ich bereits nach Literatur gesucht. Leider führen einen Suchanfragen wie" Restaurierung Buch" etc zu Büchern, die sich mit der Restauration von allem möglichen beschäftigen. :)


    Trotzdem stoße ich oft auf:

    Wolfgang Wächter

    Buchrestaurierung


    Das Grundwissen des Buch- und Papierrestaurators


    Leider ist das Buch vergriffen und ich müsste es über zvab oder ähnliches kaufen. Nun meine Frage: ist das Buch denn gut bzw. welches Buch würdet ihr mir zum Einstieg in das Thema empfehlen?


    Mich interessiert natürlich auch das Thema rund ums reinigen von Papier und Büchern. Habt ihr mir dazu auch eine Empfehlung?


    Danke und einen schönen Samstag allerseits!

  • Der Wächter ist nach wie vor die Referenz auf diesem Gebiet. Ich wüsste keine tiefergehende Literatur.


    Restaurierung ist noch eine Stufe über der Handwerksbuchbinderei. Letzlich musst dafür mindestens fünf bis sechs Jahre studieren oder Ausbildung, Meisterschule und den Resaturator im Handwerk absolvieren. Das kommt auf die gleiche Zeit - ist aber der fundiertere Weg.

  • Hallo!


    Otto Wächter - "Restaurierung und Erhaltung von Büchern" gibt es bei Booklooker.de ab 15 Euro. Das kann kein Fehler sein. Da kann man auch Wünsche an geben und falls ein Buchtitel zu haben ist bekommt man eine Mitteilung.


    Das was ich zum Thema Restaurierung gelernt habe ist ein ähnlicher Eindruck. Wahrscheinlich ist das Thema zu groß um es in ein Buch zupacken. Mein Grenze war dann auch die handwerkliche Aufarbeitung von alten Büchern. Das hat aber nichts mit Restauration zu tun. Wenn man sich wirklich mit Restauration beschäftigen will wird es dann sehr schnell schwierig.

    Die Materialkunde ist sicherlich ein großes Thema.

    Nur die Restauration von Papier wird schon einige Bücher (anfasern, spalten, basische Bäder, etc.) füllen. Zum Beispiel Wächter

    Dann gibt es bestimmt Informationen zur Restauration und das Färben von Leder. Zum Beispiel bei http://www.lederpedia.de

    Und nicht zu vergessen sind die Richtlinien zur Gestaltung.

    Dann das Wissen um die Handwerks- und später Maschinentechniken der einzelnen Epochen.

    Ja und etwas weiters wichtiges sind noch unsere kleinen Freunde wie Schädlingsbefall und Schimmel.

    Für all diese Bereiche gibt es Bücher. Aber ich kenne kein Buch das dass alles umfassen würde. Die Zimmerleute habe es da einfacher. Es gibt sehr viel Dokumentation zu den alten Techniken. Bei den Möbeln zum Beispiel, gibt es auch viele Bücher. Aber! Diese Bücher (oder auch die Filme auf Youtube) zeigen nur klitzekleine Teilbereiche des Themas. In der Malerei gibt es ein Buch, das zu mindest einen großen Bereich abdeckt. Kurt Wehlte - "Werkstoffe und Techniken der Malerei". Dieses Buch wird nicht nur von Malern geschätzt. Sein Wissen um historische Farben wird in vielen Bereichen der Restauration genutzt und ist der Standard schlecht hin.

    Aber bei den Buchbindern ... Vielleicht weiß unsere Papierfrau etwas?

    Nicht wirklich hilfreich sind aus unserer Sicht die "Blaubeurener Empfehlungen". Aber sie zeigen was man von außen betrachtet unter Restauration versteht.

    https://www.landesarchiv-bw.de…/weber_1992_blaubempf.pdf


    Viel Erfolg

    Klaus

  • Hallo Schwabe12345,

    mit welchen Schäden an den Uralt-Büchern hast Du denn zu kämpfen? Und was bedeutet für Dich uralt? :)


    Sowohl das Fachbuch von Otto als auch das von Wolfgang Wächter sind die Standartwerke in Sachen Restaurierung von Buch/Archivalie/Schriftgut. Otto Wächter geht u. a. auch auf Grafiken ein und hat Farbaufbau u.s.w. mit dabei. Wolfgang Wächter behandelt rein Buchrestaurierung. Beide Bücher sind aber - soweit mir bekannt ist - nicht mehr auf dem neuesten Stand der Entwicklung (Ausgaben 1982 und 1987). Zudem sollte man mit den darin empfohlenen Chemikalien, beziehungsweise chemischen Mischungen grundsätzlich vorsichtig sein.

    Von einem aktuelleren Fachbuch in der Richtung habe ich noch nichts vernommen. Sicherlich gibt es neuere Veröffentlichungen zu dem Thema in diversen Fachzeitschriften (z.B. Restauro) die man sich mühsam zusammensuchen darf.


    Der beste Rat ist - wie üblich - so wenig wie möglich an Eingriffen und Chemie. Nur das Nötigste machen, damit das Buch in sich erhalten und benutzbar bleibt, denn auch in dem Bereich gibt es zu Tode restaurierte Exemplare.


    Gruß Papierfrau

  • Danke für eure (wie immer) tollen Antworten!

    Uralt ist sicher übertrieben; ich denke an 1870 aufwärts. Da hat sich einiges angesammelt.


    Die Schäden sind die typischen: Flecken, Risse, gerissener Buchblock, am Fall gerissene Buchdecke, Schäden am Bezug, usw.


    Mit der Zerlegung des Buchs hab ich mich bereits etwas auseinander setzen können. Was mir bisher noch nicht wirklich klar ist: wie löse ich die Klebung am Buchblockrücken auf? Nur aufschneiden ist ja nicht wirklich Rückstandsfrei.

    Zum anderen das Thema Flecken und Risse auf den Seiten. Da gibt es natürlich sicher tausende Möglichkeiten: je nach Verunreinigung ist vermutlich ein anderes Lösungsverfahren/Schema anzuwenden.


    Danke bereits für eure weiteren Beiträge!


    PS: die beiden Wächter hab ich mir heute bestellt. :thumbsup:

  • Immer wenn ich das Datum 1850 und später sehe denke ich an die ersten Bücher aus Holzschliff. Das Papier aus der Anfangszeit des Holzschliffs ist extrem brüchig. Die Blätter sind hart und unbiegsam. Der Knochenleim macht es nicht besser. Oft sind die Buchdeckel aus Strohpappe. Und das Zeug macht seinem Namen alle Ehre. Das ist noch richtiges Stroh. Ich habe wann immer es ging einen großen Bogen um diese Bücher gemacht.

    In meiner Lehre habe ich für einen Kunden viele Märchenbücher aus der Zeit repariert. Man konnte die Buchdeckel ins Wasser legen und nach einigen Stunden hatte man das alte Vorsatzpapier, die aufgequollene Strohpappe und den Bezug einzeln und von allein fein säuberlich getrennt. Oft habe ich neue Pappen zugeschnitten und konnte den Bezug wieder verwenden. Ich habe die Pappen zuerst mit etwas farblich passenden bezogen und dann den alten Bezug wieder aufgeklebt. Restaurieren ist das aber nicht. Das ist dann reparieren.


    Das wird bestimmt eine Geduldsarbeit.

    Klaus

  • hallo Schwabe 12345,

    wenn Du nur die Klebeschicht vom festen Buchblock entfernen willst rate ich Dir zum Einweichen des Klebers mit warmen Wasser und einem Schwamm ( möglichst Naturschwamm, das ist einfach der Beste). Aber vorsicht: nicht zu nass machen, damit nicht die ganze Feuchtigkeit in den Buchblock wandert. Das ist eine Gefühlssache, ebenso wie das Abschaben der aufgeweichten Leimschicht mit einem Messerrücken.

    Wenn Du die Buchblocks ganz auseinander nehmen willst und sie sind klebegebunden bleibt Dir meist nur das Abschneiden der Klebeschicht und neu klebebinden.

    Bei fadengehefteten Buchblocks musst Du innen den Faden aufschneiden und die einzelnen Lagen dann vorsichtig wegziehen. Die noch dran haftende Leimkruste ist meistens hart aber bröselig und Du musst sie mit einem Messer o.ä. abkratzen... wobei es manchmal schon zu Substanzverlust im Falzbereich kommen kann (manchmal auch schon beim Arbeitsschritt vorher).

    Sind die Bücher nicht mit Faden, sondern mit Klammern geheftet gilt es jede einzelne Klammer auf zu biegen - das geht meist sehr leicht, da diese verrostet sind. Die verrosteten Stellen würde ich entfernen damit der Rost nicht weiter reagieren kann. Andere neutralisieren sie und mit ihnen gleich das ganze Blatt... was ratsam ist wenn es ligninhaltig ist (bräunlich und brüchig - wie Klaus schon beschrieben hat) aber auch sehr aufwändig und nicht gerade preisgünstig.


    Soviel für heute... viel Spaß beim Experimentieren ;)

    Gruß Papierfrau