Anfängerfrage zur Covergestaltung: Wie bekomme ich den Buchtitel aufs Buch?

  • Hallo zusammen,


    in Sachen Buchbinden bin ich blutiger Anfänger und meine Mittel in meiner "Werkstatt" (aka Küchentisch) sind eher bescheiden. Im Großen und Ganzen geht es mir darum, Büchern, die nicht mehr so sonderlich intakt sind wieder einen ordentlichen Einband zu verschaffen. Das gelingt mir ganz gut (zumindest für meine Bedürfnisse). Aber am Ende habe ich dann Bücher, bei denen man nicht mehr von außen sieht, was innen drin ist. Das ist langfristig ein wenig unbefriedigend.


    Wie also bekomme ich den Titel und den Autor des Buches auf die Front und auf den Rücken? Handschriftlich wird das nichts. Das kann ich schon mal direkt sagen.

    Der Einband der neu (ein)gebundenen Bücher ist aus unterschiedlichen Materialien(Stoff, Papier, Pappe), allerdings nie aus Leder.

    Welche Möglichkeiten habe ich da?


    Für alle hilfreichen Antworten bin ich schon jetzt dankbar.

  • Hallo MexCrane!


    Zuerst ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Jeder Buchbinder war irgendwann Anfänger. Du hast also schon fast das gesamte Rüstzeug zum Profi.


    Für den Titel gibt es verschiedene Alternativen.

    Beginnen wir vorn:

    Wenn ich alte Bücher repariert habe, habe ich meistens versucht die alten Buchdeckelbezüge irgendwie abzulösen, nach Gefallen beschnitten und dann (am besten etwas vertieft) auf eine Ganzleinendecke geklebt. Das war für der billigste und einfachste Weg. Später habe ich Fachbücher geschrieben, gedruckt und gebunden. Hier hatte ich eine größere Gestaltungsfreiheit. Ich habe mit einem A3-Drucker meinen Bezugsstoff für die Decke gedruckt und dann das Papier mit dünner klarer Neschelfolie bezogen. Für ein Fachbuch war das gut. Für einen Roman hat das wahrscheinlich etwas zu viel Kühlschrankcharakter. Man kann aber auch zu einem Buchbinder gehen und ihn bitten einen Titel auf die fertige Decke zu prägen.

    Dann hinten:

    Auf dem Buchrücken wird bei den Buchbindern in der Regel entweder ein Schild aufgeklebt, oder der Titel dierekt auf die Decke geprägt.

    Dann die Fertigkeiten / Arbeitsgänge:

    Einlegen

    Einlegen kann man ganz einfach in dem man die Pappe für die Decke aus zwei Schichten zusammenklebt. Die Äußere Schicht bekommt ein nicht zu kleines Fenster / Tasche für z. B. das Schild. Man kann ein Schild mit einem handelsüblichen Drucker erstellen, direkt aufkleben oder erst mit Klarsichtfolie oder Klarlack aus der Sprühdose schützen. So könnte man auch ein großes eingelegtes Schild für den Buchdeckel anfertigen. Man kann aber auch vieles andere aus allerlei verschiedenen Materialien einlegen, dabei kann dann der Deckel schnell dick und vielleicht etwas wuchtig werden. Einlegen eignet sich nicht sonderlich gut für den Buchrücken. Es sei denn der Rücken ist gerade und die Einlage ist steif, und, und ......

    Aufkleben

    Ein gute Alternative ist das nicht eingelegte aufkleben eines Schildes oder so. Dann sollten man das Schild gut anleinem (aber nicht zu nass) und sehr gewissenhaft an den Kanten (am Besten mit einem Blatt Papier dazwischen) anreiben. Denn die Kanten des Schildes sollen ja nicht aufgehen und der Leim soll nicht heraus quillen. Dieser Weg funktioniert auch auf dem Rücken.

    Prägen

    Ich hatte oben schon erwähnt, dass prägen eine feine Sache ist. Da die Geräte und vor allen Dingen die Schriften für einen Hobby-Buchbinder wirklich zu teuer sind, bekommen die verbliebenen Handwerksbuchbinder oft Besuch. Man gibt die Schriftgröße, den Schrfittyp und die gewünschte Position an und einige Tage später ist die Decke nicht mehr "blind", also dann mit Titel. Je nach Ausstattung der Buchbinderei gibt es auch Zierelemente und andere schöne Dinge. Das kann schon beim Aussuchen eine wahre Freude werden. Bei den Prägefolien gibt es sehr viele Farben, die aber selten verfügbar sind. Denn ein Buchbinder kauft sich ja nur die Farben, die er regelmäßig verkaufen kann. Und dass ist gold und gold und gold. Na ja es gibt auch schon noch anderes wie blau, rot, gelb grün, silber, etc. Aber da kann man ja fragen.

    Soweit die Techniken die ich kenne. Natürlich gibt es auch noch anderes wie schnitzzen, brennen, malen, batikenund vieles mehr. Aber das war hoffentlich nicht die Frage.

    Und noch eines. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

    Klaus

  • Ganz vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort.

    Ich sehe schon, dass ich da noch gaaaaanz viel lernen muss.


    Deswegen auch gleich eine Frage:


    Ich habe mit einem A3-Drucker meinen Bezugsstoff für die Decke gedruckt und dann das Papier mit dünner klarer Neschelfolie bezogen.

    Das verstehe ich nicht so richtig. Was ist das exakt für eine Folie?

    Und du hast hier wirklich Stoff bedruckt mit einem herkömmlichen Drucker?

  • Oh, Entschuldigung. Die Wortwahl war wirklich sehr dummt. Ein Bezugsstoff ist bei den Buchbindern etwas womit man bezieht. Das muss nicht Stoff sein. Im Grunde ist es meistens und in diesem Fall sowieso Papier, sorry.

    Ich habe ganz normales A3 (oder größeres) 80g Druckerpapier verwendet. Zum Beispiel mit einem Deskjet 1220 und etwas Mogeln kann man sehr einfach Bezugspapiere auch für DIN A4 große Bücher erstellen.

    Die Folie ist eine Buchschutzfolie von der Firma Neschen. Ich denke das ist etwas aus der Produktgruppe Filmolux. Am Montag fahre ich zum Buchbindereibedarf nach Köln. Wenn ich eine neue Rolle bekommen kann, kann ich den Rest hergeben. Die Rolle ist 34 cm breit und der Rest wird etwa 80 cm lang sein. Das reicht zum Üben. Aber bitte bedenken, das diese Folien einen sehr sauberen Plastikeindruck hinterlassen. Das hat eigentlich nichts mit traditioneller handwerklicher Buchbinderei zu tun.

    Das mit dem Lernen ist immer und überall. Ich beginne jetzt nach 30 Jahren Pause wieder neu. Da sind nur noch das Gefühl und eine nebulöse Ahnung vorhanden. Aber wie das alles noch genau funktioniert hat - oooh jeee.

    Viel Spaß und viel Glück

    Klaus

  • Hallo MexCrane,


    ich weiß nicht wie du technisch ausgerüstet bist.

    Es gibt Inkjet-Gewebe, die lassen sich problemlos mit nem Tintenstrahldrucker bedrucken und werden "ganz normal" weiter verarbeitet.

    Vielleicht wäre das ja eine Option für dich und deine noch namenlosen Werke.


    Wie Klaus schon schrieb, sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt.

  • Hallo MexCrane,

    ich habe ganz normales Buchbinderleinen sowohl mit Tintenstrahldrucker als auch mit Laserdrucker bedruckt. Es kommt auf den Drucker und auf die Leinenart an wie gut das Ganze wird. Manches Mal hat es mir beim Drüberwischen die Farbe verzogen.. dann hilft eine " Prise" Haarlack oder Haarspray. Wichtig ist, immer einen Probedruck zu machen. Mit beiden Druckern konnte ich nur DIN A4 drucken, aber man kann das fertige Buch ja mit einem entsprechend zugeschnittenen Titelschild versehen. Ebenso kannst Du mit diversem Papier arbeiten.... wenn die Tinte schmiert machst Spray drüber.

    Also ausprobieren was funktioniert. Wenn Du einen Drucker hast bei dem man die Papiersorte einstellen kann, dann stell immer die dickste/schwerste Sorte ein. Bei Leinen und allen härteren Papiersorten funktioniert der Druck am besten, wenn Du die Laufrichtung beim DIN A4 Nutzen paralell zur schmalen Seite machst.

    Damit das nicht zu einer Materialschlacht wird kannst Du den Druck erst auf normales Druckerpapier machen.. und dann klebst Du mit Hilfe von Papierklebestreifen .. also nicht(!) mit Tesafilm o.ä. ... an den Rändern ein Stück Leinen drüber und lässt das ganze Paket nochmal durch den Drucker.

    Also ausprobieren was geht und was auch gefällt...


    Weihnachtlichen Gruß schicke ich Dir.. und allen andern auch

    Papierfrau