PMC Stanze.

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  • Hallo.

    Die PMC Stanzmaschine hat ja im entferntesten Sinn auch mit schneiden zu tun deshalb packe ich sie mal hier hinein.

    Wir haben eine etwas betagte PMC aus den 80ern im Betrieb die irgendwann mit dem Zuführtisch einer Banderoliermaschine ausgestattet wurde. Dieser Zuführtisch wurde von Kleim & Ungerer aus München in den 90ern gebaut. Diese Firma gibt es nicht mehr. Die Elektronik macht immer öfter Probleme. Teile mussten ausgetauscht werden. Z.B. ein Frequenzumrichter.

    Alles nur provisorische Arbeiten.

    Hat hier Jemand Erfahrung mit solchen zusammengeschusterten Anlagen ?

    Kann man Evtl. die Steuerung des Gerätes austauschen, bzw. lohnt sich das überhaupt?

  • Hallo Alfred!


    Das sind einige Themen


    Ja, eine Stanze ist natürlich auch eine Schneidemaschine. Wobei es einige scheinbar wesentliche (!) Unterschiede gibt.

    Das Stanzeisen wird vertikal zum Schneidgut geführt, oder umgekehrt das Schneidgut vertikal zum Stanzeisen. Dadurch braucht das Stanzeisen einen schlankeren Winkel. Sagen wir grob 17°. Das Schneidemaschinenmesser wird in etwa 45° schräg durch das Papier bewegt. Würde man das Schneidemaschinenmesser, (das z. B. mit 25° geschliffen wird) diagonal also in der wirklichen Schnittrichtung messen kämen wir auch auf den Schnittwinkel eines Stanzeisens. Also scheint alles das Gleiche zu sein. Die Wahl des Schneidenmateriales ist bei einem Stanzeisen aber schwieriger denn die Klinge wird ja wirklich z. B. mit etwa 17° geschliffen. Deshalb werden andere metallurgisch hochwertige Metalle verwendet, die „weicher“ sind und nicht so schnell brechen.

    Der Schnitt der Klinge ist bei beiden Verfahren, dem Stanzen und geradlinigen Schneiden, fast gleich. Die Schneidemaschine hat es da etwas einfacher. das gerade Messer kann man neben der Abwärtsbewegung auch noch seitlich ziehen. Dadurch wird der Schnitt weicher und leichter. Wenn ich ein 70x100 cm großes Papier beschneide, habe ich auch 100 cm Schnittlänge. In der Stanze entspräche das einem Stanzeisen von etwa 30 cm Durchmesser.

    Die Form des Stanzeisens ist ja immer irgendwie ein geschlossener Ring. Dadurch hat es die Stanze beim Schnitt etwas leichter. Denn dadurch entfällt eigentlich der Pressbalken. Die Pressung (Gegendruck) in einer Stanze ist für den gegenteiligen Effekt zur Schneidemaschine. Bei der Schneidemaschine wird das Schneidgut in Richtung Messerschräge (Wate) gezogen. Wir sagen dann, das Papier wird herausgezogen. Das Produkt hinter dem Messer wird zu kurz. In der Stanze ist es umgekehrt. Schwammiges oder nicht planliegendes Material wird in das Stanzeisen gestaucht und wird dadurch zu groß.

    Aber sonst ist eigentlich alles gleich, außer ……


    Die PMC-Stanze ist ein amerikanisches Produkt. Die Firma ist in Cincinnati (Ohio) beheimatet (http://www.pmcblue.com). Die PMC-Stanzen gab und gibt es in verschiedenen Varianten. Ich weiß nicht ob es in Europa eine Vertretung gibt. Die Firma PMC hatte einige nicht so gute Jahre und ist in Europa nicht mehr so sehr verbreitet. Ersatzteil kann man notfalls auch in den USA kaufen. Aber Achtung, zum Ersatzteilpreis und der Fracht kommt dann auf beides noch Zoll !!!!

    Die Firma Kleim & Ungerer wurde nach dem altersbedingten Ausscheiden der beiden Inhaber durch Herrn Gerhard Meyer (und dem Bruder) in Neusäß weitergeführt. Die Maschinen (Bündler, Zuführtische, Anleger für Falzmaschinen und Sondermaschinen) wurden zuerst weiter unter dem Namen Kleim & Ungerer vertrieben. Die Bündler wurden später unter dem Namen Bandpack weitergebaut und zusammen mit Polar vertrieben. Wieder einige Jahre später hat Polar selbst neue Maschinen entwickelt. Es könnte sein, dass Herrn Meyer weiterhin die Firma GMG in Neusäß besitzt und betreibt. Herr Meyer wird mittlerweile aber auch über 70 Jahre alt sein.


    Ein Frequenzumrichter ist ein Verschleißteil. Im Frequenzumrichter sind starke Kondensatoren verbaut. Und die haben leider die Eigenschaft nach vielen Jahren „auszutrocknen“ und damit nicht mehr richtig zu funktionieren. Einen Frequenzumrichter kann man aber einfach austauschen. Bei alten Maschinen sind dann nur wenige Daten in den neuen Umrichter zu programmieren. Das sollte kein Problem sein.


    Ich weiß nicht ob die Maschine „zusammengeschustert“ ist. Die einzelnen Komponenten sind mechanisch solide.

    Die PMC-Stanze mit dem 4-Säulengestell ist sehr gut. Und bei der PMC ist das verhindern der „Engelshaare“ (die Flusen im Abfall, weil die Etiketten zweimal durchs Eisen laufen) meistens einfacher als bei Blumer oder Polar.

    Der Zuführtisch von Kleim & Ungerer ist einfach aufgebaut und sollte auch ordentlich funktionieren. Hier verschleißt die Antriebwelle wohl zuerst.


    Der Austausch der Steuerung hat neben den Kosten ein anderes Problem. Wer an einer Maschine etwas verändert ist ab diesem Moment für das gesamte Sicherheitskonzept der Maschine verantwortlich (europäische Maschinenbaurichtlinie). Das soll heißen, dass die Person, oder Firma, die eine Maschine ändert die Regeln einer NEUEN Maschine kennen und umsetzen muss. Ersetzt jemand eine Verkleidung, einen Schalter, ein Hydraulikventil, etc. ist das kein Problem. Konstruiert jemand eine ganz andere Verkleidung oder macht wesentliche Änderungen an der Maschinensteuerung sind die aktuellen Sicherheitsrichtlinien umzusetzen. Für den Zuführtisch und die Stanze würde das jeweils eine schöne große Käseglocke (Verkleidung) bedeuten.


    Ein Ingenieurbüro kann so eine Steuerung planen, bauen und tauschen lassen. Ich denke aber, dass man für den gleichen Preis zwei neue Stanzen bekommt.

    Das Problem wird aber auch die Verfügbarkeit von einer gebrauchten, aber ordentlichen Stanze sein. Ich habe bei den gebrauchten Stanzen nur Ruinen gesehen. Das heißt man muss Geduld haben und in Ruhe das Passende suchen.


    Die PMC hat Vorteile, die man bei anderen Produkten nicht findet. Die anderen Hersteller haben aber auch Vorteile die PMC nicht hat. Da muss man sehr genau hinsehen. Und wer einen alten Gußklumpen liebgewonnen hat zögert etwas Modernes mit halb so viel Eisen aber buntem Bildschirm zu kaufen.


    Wer jetzt nicht ganz durcheinander ist, ist selber Schuld

    Klaus

  • Danke für die Einführung in die Grundlagen der Schneidetechnik. Ich habe über 35 Jahre Berufserfahrung an Planschneidern und 8 Jahre an der PMC.

    Das Problem an der PMC ist, dass nach dem Austausch des Frequenzumrichters der Vorschub, der das Material vom Tisch zur Stanze befördert, nicht mehr präzise aebeitet. Das Material wird zu weit geschoben und eingeklemmt oder nicht weit genug geschoben und verkantet sich. Manchmal passt der Vorschub stundenlang.

    Unser Gaustechniker und auch ein spezieller Elektriker konnte bisher nicht helfen.

  • Kann ich hier ein Video hochladen?

    Die Zuführung wird über Magnetsensoren gesteuert. Die werden nur nach vorne oder hinten verschoben. Zwei Sensoren müssen verstellt werden. Einer für die Bremse und der Zweite für die Endstellung. Egal in welcher Stellung sie stehen, irgendwann reagiert das Teil nicht mehr richtig. Man muss wie ein Luchs aufpassen...

  • Hallo!


    Ich denke ein Video ist möglich.

    Wenn der Stopp-Punkt durch den Endschalter bestimmt wird, sollte die minimale Geschwindigkeit möglichst niedrig sein. Außerdem muss die Ablauframpe (wenn es eine gibt) bei maximaler Geschwindigkeit so eingestellt werden, dass der Schieber den Endschalter nicht überfährt.

    Für die Einstellung gibt es aber auch noch andere wichtige Parameter.

    Ich schreibe ein Benachrichtigung mit meiner Email-Adresse, denn die Einstellung von Frequenzumrichtern ist nicht ganz passend für ein Buchbinderforum.



    Klaus