Beiträge von Buntpapier

    Immer wenn ich das Datum 1850 und später sehe denke ich an die ersten Bücher aus Holzschliff. Das Papier aus der Anfangszeit des Holzschliffs ist extrem brüchig. Die Blätter sind hart und unbiegsam. Der Knochenleim macht es nicht besser. Oft sind die Buchdeckel aus Strohpappe. Und das Zeug macht seinem Namen alle Ehre. Das ist noch richtiges Stroh. Ich habe wann immer es ging einen großen Bogen um diese Bücher gemacht.

    In meiner Lehre habe ich für einen Kunden viele Märchenbücher aus der Zeit repariert. Man konnte die Buchdeckel ins Wasser legen und nach einigen Stunden hatte man das alte Vorsatzpapier, die aufgequollene Strohpappe und den Bezug einzeln und von allein fein säuberlich getrennt. Oft habe ich neue Pappen zugeschnitten und konnte den Bezug wieder verwenden. Ich habe die Pappen zuerst mit etwas farblich passenden bezogen und dann den alten Bezug wieder aufgeklebt. Restaurieren ist das aber nicht. Das ist dann reparieren.


    Das wird bestimmt eine Geduldsarbeit.

    Klaus

    Hallo!


    Otto Wächter - "Restaurierung und Erhaltung von Büchern" gibt es bei Booklooker.de ab 15 Euro. Das kann kein Fehler sein. Da kann man auch Wünsche an geben und falls ein Buchtitel zu haben ist bekommt man eine Mitteilung.


    Das was ich zum Thema Restaurierung gelernt habe ist ein ähnlicher Eindruck. Wahrscheinlich ist das Thema zu groß um es in ein Buch zupacken. Mein Grenze war dann auch die handwerkliche Aufarbeitung von alten Büchern. Das hat aber nichts mit Restauration zu tun. Wenn man sich wirklich mit Restauration beschäftigen will wird es dann sehr schnell schwierig.

    Die Materialkunde ist sicherlich ein großes Thema.

    Nur die Restauration von Papier wird schon einige Bücher (anfasern, spalten, basische Bäder, etc.) füllen. Zum Beispiel Wächter

    Dann gibt es bestimmt Informationen zur Restauration und das Färben von Leder. Zum Beispiel bei http://www.lederpedia.de

    Und nicht zu vergessen sind die Richtlinien zur Gestaltung.

    Dann das Wissen um die Handwerks- und später Maschinentechniken der einzelnen Epochen.

    Ja und etwas weiters wichtiges sind noch unsere kleinen Freunde wie Schädlingsbefall und Schimmel.

    Für all diese Bereiche gibt es Bücher. Aber ich kenne kein Buch das dass alles umfassen würde. Die Zimmerleute habe es da einfacher. Es gibt sehr viel Dokumentation zu den alten Techniken. Bei den Möbeln zum Beispiel, gibt es auch viele Bücher. Aber! Diese Bücher (oder auch die Filme auf Youtube) zeigen nur klitzekleine Teilbereiche des Themas. In der Malerei gibt es ein Buch, das zu mindest einen großen Bereich abdeckt. Kurt Wehlte - "Werkstoffe und Techniken der Malerei". Dieses Buch wird nicht nur von Malern geschätzt. Sein Wissen um historische Farben wird in vielen Bereichen der Restauration genutzt und ist der Standard schlecht hin.

    Aber bei den Buchbindern ... Vielleicht weiß unsere Papierfrau etwas?

    Nicht wirklich hilfreich sind aus unserer Sicht die "Blaubeurener Empfehlungen". Aber sie zeigen was man von außen betrachtet unter Restauration versteht.

    https://www.landesarchiv-bw.de…/weber_1992_blaubempf.pdf


    Viel Erfolg

    Klaus

    Den Abstand zwischen den Kartenteilen würde der Kunde bestimmen. Einige Millimeter erscheinen mir zu gering. Unter einem Zentimeter würde ich es nicht versuchen. Du musst bedenken, dass es bei einer Karte doch einige Knicke geben wird. Die ersten Knicke tragen nicht so sehr auf. Wenn man dann aber quer knickt wird das ganze Material stark auftragen. Und die Idee ist ja eben nicht das Papier zu knicken. Also braucht man Platz zwischen den Papierstücken.

    Stoff dehnt sich auch- Aber entgegengesetzt zum Papier. Stoff wird in einer Richtung kleiner wenn er feucht wird. Theoretisch kann man auch genau sagen welche Richtung das ist. Dann muss man aber sehen können was Kette und was Schuss ist. Mit der Webkante kann man das leicht bestimmen. Weiß man wie der Stoff gefertigt wurde kann man messen, feuchten und wieder messen. Für Karten aufziehen ist das aber viel zu theoretisch. Das Dehnen wird man fast nicht merken. Ich würde das vernachlässigen.

    Klaus

    Hallo Herr Friedrich Hattendorf!


    Zuerst ein herzliches Willkommen im Buchbinderclub!


    An die Wanderkarte erinnere ich mich sehr gut. Der Seniorchef rief mich gleich als der Kunde gegangen war. „Komm Klaus, das musst Du sehen.“ Er nahm die Karten des Kunden, faltete sie auseinander, legte sie auf die Pappschere und begann munter die Karte in gleichgroße Rechtecke (etwa in DIN A5 Größe) zu zerschneiden. Dabei beachtete er genüsslich mein Gesicht. Ich Stand wie versteinert neben ihm und wusste nicht ob ich entsetzt oder besser fragend dreinschauen sollte. Zuerst schnitt er die Streifen ab und dann die einzelnen kleinen Stücke. Danach drehte er den Stapel um, nummerierte die einzelnen Stücke und hielt sie mir hin. Dann lachte er sich eins und sagte: „Das wird eine Wanderkarte.“ Das Entsetzen war wohl aus meinem Gesicht verschwunden, aber der fragende Gesichtsausdruck war mir noch anzusehen. „Ich zeige dir wie das geht. Das ist total einfach.“ Dann ist er verschwunden und kam mit einer großen Rolle schwarzem Stoff wieder. Der Stoff wurde auf dem Tisch ausgerollt und die Kartenstücke mit etwa 2 cm Abstand auf den Stoff gelegt. „Siehst Du? Die Kartenstücke werden nur aufkaschiert und dann kann man die Karte an den Stegen einfach knicken ohne das die Karte leidet.“ Einfach aber gut, dachte ich. So habe ich meine erste und einzige Wanderkarte gesehen.


    Ich glaube im Buch „Sonderarbeiten des Buchbinders“ von Fritz Wiese gibt es eine kurze Beschreibung. Aber ich finde das Buch nicht mehr. Wer weiß wo es sich versteckt. Ich werde wohl doch alt.


    Ich würde einen schweren schwarzen Baumwollstoff probieren. Wir haben die Kartenstücke damals nicht dehnen lassen. Anschmieren, schnell auf den Stoff legen und anreiben. Danach beschweren und trocknen lassen.


    Klaus

    Hallo!

    Ein Locheisen hat die Schräge / Fase der Schneide außen. Dadurch entsteht eine Materialverdrängung und oft auch Beschädigung in dem Teil das man schön haben möchte. Besser wäre ein Werkzeug mit der Schräge innen. Das heißt dann Locheisen mit Negativfase oder Rundlochstanzeisen. Ich kann wirklich nicht sagen wo es derartige Locheisen mit der Schräge innen gibt. Es gibt diese Eisen ganz sicher. Die Leute die einzelne Dichtungen für Motorenrestaurierungen machen besitzen so etwas.

    Deshalb würde ich einen Papierbohrer versuchen. Da gibt es verschiedene Techniken. Papierbohrer werden normalerweise mit einer Bohrmaschine in einen Papierstapel gedrückt. Es gibt aber auch für wenige Blätter einfache Werkzeuge. Bei Schmedt in Hamburg gibt es so etwas.

    https://www.schmedt24.de/produ…ueller-papierbohrer-griff

    Ich habe aber keinerlei Erfahrung mit diesen einfachen Werkzeugen. Das wird auch nichts besonderes sein. Der Preis sagt schon alles.

    Wenn man das Bild vergrößert kann man sehen, dass die Bohrer die Schräge innen haben.


    Klaus

    Hallo Thomas!


    Das sehe ich auch so. Wer weiß was die intern verzapft haben. Vielleicht gab es beim Druck auch Sammelbogen, die zu unterschiedlichen Werken gehörten, aber in der Auflagen gleich waren. Im Jahr 1926 war es mit der Industrialisierung schon recht weit gekommen. Die Arbeitsabläufe waren sicherlich nicht sehr unterschiedlich (wenn man mal die Automatisierung außer Acht lässt) von dem was heute läuft.

    Klaus

    Hallo Falzbein!


    Grundsätzlich geht beides. Den Holzrahmen als ein Teil außerhalb des Kastens zu beziehen ist bestimmt einfacher. Aber Achtung – in den Ecken gibt es einige Lagen an Papier, die übereinander liegen. Ruckzuck ist der Holzrahmen zu groß für den Kasten.


    Ich würde in jedem Fall vier Teile machen. Also für jede Wand eines. Außerdem würde ich beim ersten Versuch reinen Kleister verwenden und nicht das Bezugspapier anschmieren oder zwischen den einzelnen Schritten ausreichend Trocknungspausen einlegen.


    Es funktioniert aber auch mit zuerst eingelegtem Holzrahmen.


    Ein Versuch ist zuerst den Holzrahmen im Kasten zu beziehen. Dann ist das Holz in den Ecken sichtbar. Und danach den oberen inneren Rand bis auf das Holz und damit auch die Ecken des Holzrahmens abdecken. Aber auch hier entstehen in den Ecken einige Lagen Papier und der Holzrahmen ist schnell zu hoch.


    Es geht auch alles auf einmal. Zuerst schneidet man die Seiten in der Breite passend zum oberen Rahmen zu. Dann beginnt man wie beim normalen Kasten unten an einer Seite. Nachdem die erste Seite des Holzrahmens bezogen ist, werden die Enden vorsichtig eingeschnitten. An dieser Stelle würde ich das Bezugspapier trocknen lassen. Nasses Papier in einem Kasten gerade und präzise zu schneiden dürfte nicht so einfach sein. Schneidet man zu wenig ein reißt das Papier später beim Beziehen. Schneidet man zu viel ein, kann das Holz oder die Pappe sichtbar werden. Man macht von der Seite zwei Schnitte die auf der Höhe des Holzrahmens liegen und dann wieder zwei Schnitte an der Position der nächsten Ecke. Theoretisch ist der Abstand zwischen den beiden Schnitten ja die Dicke des Holzrahmens. Dann kann man das Bezugspapier auf der Oberkante des Holzrahmens anreiben. Vielleicht auch vorsichtig ohne Leim. Ist der Kasten immer noch nicht in die Ecke geflogen wird es wieder einfacher. So würde ich zwei gegenüberliegende Seiten beziehen. Und dann mit den letzten beiden Seiten, die ja oben auf dem Holzrahmen als Gehrung (also diagonal) zugeschnitten werden und nur bis genau in die Ecken reichen, versuchen die Fehler zu vertuschen.


    Das ist schon eine ordentliche Aufgabe.


    Klaus

    Hallo Thomas!


    Herzlich willkommen im Buchbinderclub!


    Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ich habe ja etwas mehr als zwei Bücher und da fällt schon auf, dass die Verlage in den jeweiligen Epochen (!) sehr unterschiedliche Arbeitsweisen hatten.

    Ich kenne keine Regel, die beschreibt wie (sagen wir) die ersten Seiten des Buches zu gestalten sind. Ich glaube früher gab es da eher eine etwas gleichere Vorgehensweise.

    Heute macht jeder was er will. Impressum, vorn, hinten oder gar nicht. Inhalt vorn, hinten oder gar nicht. Buch mit Rand, meistens fast kein Rand oder gar keiner. Alles geht heute.

    Aber vielleicht muss man auch sehen, dass Bücher früher ja auch ungebunden verkauft wurden. Das Buch wurde zuerst gelesen, kam dann zum Buchbinder und zum Schluss ins Regal. So etwas wie Schmutztitel (was ja wohl ein Schutztitel vor dem Binden war) gibt es sowieso nicht mehr. Das kostet nur Geld.


    Lange Rede gar kein Sinn – ich habe keine Ahnung


    Zu den Signaturen habe ich gelernt, dass sie rein der Organisation im Verlag oder der Druckerei dienen. Vielleicht hatte der Hersteller andere interne Regeln. Vielleicht hat sich auch einfach nur jemand vertan???


    Die nächste Frage, die sich mir aufdrängt, ist das Warum? Entschuldigung, ich bin sehr praktisch veranlagt.

    Ich lese ein Buch und behalte die Geschichte, den Sinn, die Lehre daraus im Kopf.

    Sollte ich für jemanden ein Buch reparieren, kann ich nur das verarbeiten, was ich bekomme. Und das dann die Seitenzahlen wichtig sind, kann ich mir bei dem Niveau der Frage eigentlich gleich sparen.


    Vielleicht verstehe ich auch die Frage nicht ganz.


    Klaus

    Ich habe mir die beiden hier vorgeschlagenen Bücher besorgt und mal so grob durchgesehen.


    Papierfrau

    Das Buch "Schachtel, Mappe, Bucheinband" von Franz Zeier ist sehr gut. Mir gefällt es besonders, dass die Beschreibungen der einzelnen Arbeitsgänge sehr detailiert beschrieben und und bebildert sind. Damit kann ein Leihe sehr weit kommen.


    Graupappe-l-n

    Das Büchlein "Mappen, Alben, Buchkassetten" von Hedwig Müller. Ist auch gut. Es ist preisgünstiger, dafür aber auch kleiner.


    Wenn ich zwischen den beiden Büchern wählen sollte, würde ich zuerst das Buch von Franz Zeier von vorn bis hinten richtig Durcharbeiten. Danach würde ich das Buch von Hedwig Müller lesen.


    Klaus

    Papierfrau

    Danke für den Buchtipp. So wird mein Bücherregal bald zu klein. :thumbsup:

    Graupappe-l-n

    Autodidakten müssen nicht schlechter sein als Gelernte. Die Gelernten haben es oft sogar leichter.

    Der Tipp mit den Lego's gefällt mir. Ich wollte erst schreiben: "Schublade auf und in der Ecke anlegen". Aber wenn die Schublade aus Holz ist klebtsssss ziemlich unangenehm. Dann muss erst breites Packband aufkleben.

    Das Buch ist noch verfügbar ich habe mir eines bei booklookers bestellt. Es geht aber wohl auch direkt bei der Buchbinderei Müller in Landau.


    Klaus

    Hallo Toni!


    Ich versuche mal das ultimative Minimum für den ersten Versuch. Ich würde wie folgt starten.

    Zuerst braucht man Karton. Also einen alten Aktenordner und einen Deckel von einem Schuhkarton suchen.

    Dann muss man den Karton schneiden. Dazu braucht man ein gerades Teppichmesser oder einen starken (!) Cutter mit einer abbrechbaren Klingen.


    Ich würde aus dem Pappkartondeckel und dem Ordner einige Stücke in der Größe von 4x4 cm oder 5x5 cm aus schneiden. Dabei macht man die ersten Erfahrungen. Man braucht ein Lineal um gerade zu schneiden. Ein altes Kunststofflineal funktioniert für den Anfang. Später empfehle ich aus dem Baumarkt ein Stück Metallleiste. Die nächste Erfahrung ist, dass der dünne Karton einfacher zu schneiden ist, na klar. Der dicke Karton ist aber wesentlich stabiler. Das ist eigentlich auch klar. Später sehen wir warum das wichtig wird.


    Für die Übungen brauchen wir mindestens vier Stücke aus dem dicken Karton und zwei Stücke aus dem dünnen Karton. Auf ein Stück des dicken Kartons klebt man etwas Sandpapier. Das kann mit Tapetenkleister, Pritt-Stift oder UHU oder sonst was geschehen. Hauptsache das Sandpapier ist so gut auf der Pappe befestigt, dass man damit schleifen kann.


    Bevor man den Karton zusammenklebt, muss man die Schnittkante ordentlich winklig und gerade schmirgeln. Dabei lernt man, dass die dünne Pappe jetzt einen großen Nachteil hat, sie ist viel zu instabil. Die dünne Pappe aber nicht weg werfen. Sie ist für den dritten Versuch wichtig. Bleiben wir aber beim ersten Versuch. Sind die Kanten gerade, geht’s ans verleimen. Dazu kann man einen Klebstoff verwenden der aushärtet (!). Uhu wäre jetzt schwierig. Es gehen Holz-Leim wie Ponal, Papier-Leim wie Planatol oder Vergleichbares. Wichtig ist, dass der Leim schön hart wird, denn dann werden die Klebeflächen steifer. Wenn nichts anderes zur Hand ist geht auch ein starker Tapetenkleister.



    Ich habe drei Kartonstücke zusammen geklebt. Das wird stabiler und man muss beim Beziehen nicht so vorsichtig sein. Die Versuchsecke ist fertig und kann trocknen.


    Jetzt kommt die zweite Übung.

    Ein Kasten wird ja „bezogen“. Das heißt die Pappe wird mit etwas dünnem Papier beklebt. Das macht die Pappe steif und es sieht schön aus. Man braucht dazu Papier. Das kann der Brief vom Finanzamt sein. Wichtig ist, dass das Papier nicht zu dick ist. Brief- oder Druckerpapier ist gut. Später nimmt man natürlich dekoratives Material. Aber wenn man weißes Papier zum Üben nimmt sieht man die Klekse vom Kleister oder Leim und damit seine Fehler besser!

    Ich (bin geübt) würde für das Beziehen von Kästen außen 50% Kleister und 50% Leim mischen. Für das Beziehen innen würde ich immer (!) reinen Kleister verwenden. Kleister hält wirklich gut und hat zwei große Vorteile. Er nicht so schnell fest. Dadurch kann man den Bezugsstoff schön hin- und herschieben, zur Not nochmal rausreißen. Und wenn Kleister auftrocknet gibt es fast keine Flecken. Für jemanden der beginnt würde ich für das ganze Beziehen reinen Tapetenkleister empfehlen.

    Für die zweite Übung brauchen wir den dünnen Karton und später unsere Ecke aus dem dicken Karton.



    Wenn man den dünnen Karton in der Hand vorsichtig biegt, erkennt man dass der Karton in eine Richtung steifer ist als die andere. Ich habe mir zur Markierung Striche auf den Karton gezogen. Nun wird etwas Papier mit Kleister bestrichen und etwas liegen gelassen. Man erkennt schnell dass das Papier wellig wird. Dann werden die Pappenstücke kreuz und quer auf das feuchte Papier gelegt und angedrückt, fertig. Nun muss das Papier trocknen.



    Nachdem das Papier trocken ist sehen wir wie krumm der dünne Karton geworden ist. Dieses Verhalten ist sehr typisch für Papier. Das Papier zieht beim Trocknen unseren Karton auf einer Seite zusammen. Damit der Karton gerade bleibt, bezieht man Kästen von außen und von innen. Macht man kleine Kästen aus 5 Kartonstücken ist das nicht so wichtig. Kommt ein Deckel auf den Kasten kann man schnell sehen wenn ein Deckel eingefallen ist. Macht man aber Präsentationskästen, die man aufklappen kann, sind nicht alle Kartons ringsherum miteinander verbunden. In diesen Fällen sehen krumme Seitenwände nicht schön aus.


    Beginn des dritten Versuchs.

    Jetzt wird geprüft wie gut das Verkleben der Kartonstücke war. Steht ein Karton Über kann man ihn abschleifen.

    Danach wird die zusammengeklebte Ecke auf ein Stück Papier geklebt. Ich schmiere dazu den Kleister nicht auf das Papier. Ich schmiere den Kleister auf den Karton. Das gibt weniger Dehnung im Papier und es geht schneller. Das Papier wird gut angerieben.




    Jetzt habe ich alle Zeit der Welt mir zu überlegen wie ich den Bezugstoff zuschneide und umklappe. Ich kann diese Arbeitsgänge in Ruhe ausprobieren. Erst dann wird Kleister auf das Papier geschmiert und der Kasten wird ein Stück weiter bezogen.


    Das ist alles für heute, denn die Youtube-Filme zeigen recht ordentlich wie man Kästen bezieht.

    Und wie Papierfrau schreibt – langsam beginnen und ÜBEN!


    Klaus

    Hallo Toni!


    Herzlich willkommen im Buchbinderclub.


    Um Deine Frage umfassend zu beantworten muss man ein Buch schreiben. Deshalb möchte ich auch mit einem Buch beginnen. Ich habe viel aus dem Buch „Sonderarbeiten des Buchbinders“ von Fritz Wiese gelernt. Das Buch ist noch normal zu kaufen und kostet zwischen 20 und 25 Euro.

    Daneben gibt es Videos auf Youtube zum Thema Kästen bauen. Unter „Peter Baumgartner” kann man eine Video-Reihe zum Thema Kästen sehen. In 14 Videos wird recht ordentlich erklärt was zu machen ist. Dabei muss man aber sagen, dass es recht unterschiedliche Vorgehensweisen gibt. Auf Youtube wird aber auch viel gezeigt, was einem Buchbinder die Haare zu Berge stehen lässt.

    Manchmal gibt es auch öffentliche oder private Kurse.


    Ich kaufe mein Material im Buchbindereidedarf. In Österreich kenne ich nur Boesner (http://www.boesner.at) und Nebel. Wobei ich nicht weiß ob es die Firma Nebel noch gibt.


    Ich würde mit einfachen Versuchen starten. Damit meine ich zum Beispiel:

    Karton so zuschneiden, dass die Kanten gerade sind und ordentlich zusammen passen. Eventuell mit Schmiergelpapier nach arbeiten.

    Ecken von außen mit Leim beziehen und Ecken von innen mit Kleister beziehen. Da lernt man den Unterschied zwischen Leim und Kleister kennen.

    Erst wenn die einzelnen Schritte etwas geübt sind würde ich einen ganzen Kasten bauen. Bei mir stand mein Lehrmeister hinter mir und sagte: „Mach den Deckel nicht zu klein. Du musst die ganzen Schichten vom Bezugsmaterial mitberücksichtigen. Sonst klemmt der Deckel.“ Das war einfach. Allein ordentliche Kästen bauen ist schon recht anspruchsvoll. Aber es ist sicherlich möglich. Bei den Buchbindern ist dann der Anspruch auch entsprechend hoch. Wenn der Deckel nicht saugen zu geht, war es nur ein Versuch. Lach!!!!


    Es wird etwas Übung notwendig sein. Nur Mut es geht!


    Klaus

    Hallo Falzbein!


    Es wundert mich nicht, dass Du nichts zu Ordnern gefunden hast. Entschuldigung, aber in Zeiten der Digitalisierung sind Ordner eher etwas fürs Museum, oder? Und die wenigen, die auf Grund irgendwelcher Vorschriften Papier brauchen, werden sich einen Ordner kaufen.


    Wenn ich also die Idee hätte Ordner selbst zu bauen, würde ich zuerst das Nieten üben. Wenn man von Hand nietet werden das meistens Nieten. Schon allein Ringösen waren immer wieder verflucht blöde. Der Grund liegt darin, dass man die beiden Werkzeuge nicht gerade und zentrisch zueinander führen kann. Es sei denn man hat eine Spindelpresse zum Nieten. Vielleicht gibt es so etwas bei Ebay. Aber von Hand nieten traue ich mir nicht zu.

    Danach würde ich mir die Mechaniken suchen. Es gibt noch einiges zu kaufen. Der hier folgende Link zeigt eine kleine Presse für Druckknöpfe.

    https://www.ebay.de/itm/313534…235686:g:~vMAAOSwbdJgpTNg

    Wenn man die zu den Nieten passende Werkzeuge (Einsätze) kann ich mir ein ordentliches Ergebnis vorstellen.


    Achtung es gibt für die Mechaniken zwei verschiedene Standards.

    Die großen Ordner haben fast immer 8 cm von Mitte Loch bis Mitte Loch. Da ist es egal ob es sich um zwei oder vier Löcher handelt. Die Löcher haben 5,5 mm Durchmesser. Bohrer sind einfach zu finden. Kleine Ringbücher oder Taschenkalender können andere Maße haben. Da ist alles möglich. Wenn man einen alten Locher mit verstellbaren Stanzwerkzeugen hat, kann man die verschiedenen Standards leicht erkennen.

    https://www.ebay.de/itm/124683…bb54f3:g:7YoAAOSwRbZgaHa4

    Die Fotos zeigen wie es mit dem Verstellen funktioniert.


    Klaus

    Hallo Falzbein!


    Ich habe einfach zwei Bretter mit Scharnieren (Klavierleiste) verbunden. Damit habe ich eine Klappe. Die Wellpappe habe ich auf meine Klappe gelegt und mit einem weiteren Brett fixiert. Zum Schluss habe ich die Klappe hochgezogen.

    Links ist das Ergebnis mit einer 5-lagigen Wellpappe. Das funktioniert nicht so gut.

    Rechts ist das Ergebnis mit einer 3-lagigen Wellpappe. Das funktionierte sehr einfach.


    Perforieren ist ja immer eine Schwächung, bzw. Beschädigung des Materials. Das würde ich nur machen wenn es gar nicht anders geht.

    Ich kenne auch keine handwerkliche Verarbeiten von Wellpappe. Ich wüsste auch nicht, dass jemand einzelne Wellpappkartons macht.


    Museen lassen sich für ihre Archive mit Leinen bezogene Kästen aus Sperrholz anfertigen. Das ist wesentlich leichter als Graupappe.

    Viel Spaß beim Üben

    Klaus

    Hallo Falzbein!


    Erst einmal ein herzliches „Willkommen“ hier im Forum.


    Das ist doch mal eine lustige Frage. Außerdem fühle ich mich ertappt. Wenn ich ein Paket verschicken will und keinen passenden Karton zur Hand habe mache ich genau das was Du beschreibst. Ich der Grobian nehme ein Falzbein oder etwas anderes scharfkantiges und zerstöre die obere der 3 Schichten und schon sind die vier Ecken einfach um zu legen. Da ich vor einigen Jahren jede Menge vom alten faserverstärkten Nassklebeband gekauft habe und davon dann reichlich Gebrauch mache, habe ich kein Problem mit der Haltbarkeit. Aber mich wird jeder der ein Paket von mir bekommt garantiert verfluchen.


    Wenn man es ordentlich machen möchte liegst DU völlig richtig. Das ist kein Weg. Wenn man mit dem Falzbein die obere Schicht eindrücken will, wird sie immer reißen bevor man das gesamte Material zusammen gezogen hat.


    Zwei Dinge zu erst:

    Alle Lagen der Wellpappe haben immer die Laufrichtung quer zur Welle. Dadurch wird Wellpappe sehr steif. Will man Wellpappe später knicken braucht man einen gewissen Radius.

    Wenn man zum Beispiel Karton oder Graupappe rillt, wird sie bei jedem Rillen kürzer. Das heißt die Wellpappe muss Bewegungsfreiheit haben.


    Wenn man Wellpappe rillen wollte, müsste man ja so etwas wie ein Lineal in den Karton drücken. Würde man die Wellpappe dabei zusammenschieben würde die ober Deckschicht nicht reißen. Aber das Gerät dazu wäre wohl mindestens eine Höllenmaschine.


    Ich habe mal etwas probiert. Ordentlich hat es funktioniert, wenn ich zuerst die Schlitze zwischen den späteren Laschen ausgeschnitten habe. Dann habe ich die Wellpappe mit einem Brett an der Tischkante geradeso fixiert. Mit einer Leiste habe ich die Wellpappe dann umgeknickt. Dabei habe ich gelernt, dass der Knickpunkt immer an der gleichen Stelle der Welle liegt. Das heißt man müsste schon von vorn herein die Schlitze für die Laschen so positionieren, dass der spätere Knickpunkt mittig der Schlitze liegen wird.


    Also wird Deine Idee des Falzens wohl der einfachste Weg sein.

    Soll das etwas für große Mengen sein? Dann müssten man lernen wie Klappenfalz funktioniert und eine einfache Vorrichtung bauen.


    Klaus

    P.S.: Ich bitte aber um Entschuldigung. Ich werde meine Pappkartons weiterhin aus malträtierter Wellpappe anfertigen. Das geht schneller. Lach!