Sonntag 14 April 2024

Schmuck aus Papier

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  • Hmm, bin ganz frisch hier im Forum. Habe früher (in der Schule) eine
    BuchbinderAG gehabt und anschließend auch noch einige Jahre gebastelt.
    Nun aber seit langer Zeit nicht mehr. Durch die Geschichte Schmuck aus
    Büchern, bin nun hier gelandet. Ich würde das mit den Ringen bzw. Gegenständen auch mal gern probieren.
    Hat jemand einen (halbwegs) konkreten Tipp bezüglich des Zusammenklebens
    des Papiers? Verdünnter Tapenkleister? Oder Leim? Oder was empfiehlt sich?
    Hat jemand das schon mal probiert und mag von seinen Erfahrungen berichten?

  • Hallo buxxcat!


    Willkommen im Buchbinderclub!
    O. k. - das ist schon eine ziemlich komplexe Frage. Man kann vieles aus Papier machen. Ich glaube es gab in Süd-Amerika einmal eine Brücke aus Papier.


    Ich denke es gibt um zu einem Objekt zu gelangen vier wichtige Punkte:


    Das Papier
    Ist das Papier zu dick, wird man es trotz Verleimung der einzelnen Bogen leicht spalten können. Eine Verleimung die ganz durch den Bogen geht dürfte sehr schwer sein. Also würde ich ein relativ dünnes Papier bevorzugen. Von Karton oder hochvolumigen Papieren (wie Werkdruck) würde ich grundsätzlich abraten. Ich würde auch keine stark gestrichenen Papiere benutzen. Kalandrierte Papiere würde ich wieder positiv beurteilen. Der Klebstoff dringt gut ein und die Papiere haben eine hohe Dichte. Dazu kommt, dass man auch bedrucktes oder grundsätzlich buntes Papier benutzen kann. Das kann dann ganz tolle Effekte ergeben. Die Offset-Druckfarben basieren auf Erdöl und schmieren bei mechanischer Bearbeitung! UV-Farben werden sehr hart.
    Die Verleimung
    Das lagige Papier muss ja zum Block, Klotz, Rohling verklebt werden. Die Art der Klebung hängt meiner Meinung nach von der mechanischen Beanspruchung bei der Bearbeitung also der Formgebung, der späteren Nutzung und dem späteren Schutz des Objektes ab. Wenn der Klotz bearbeitet wird, muss die Verleimung oder Klebung die Belastungen aushalten. Der Klotz wird ja später gesägt, gebohrt, gefeilt, geschliffen und für mechanische Arbeiten eventuell sogar eingespannt. Die Leimung oder Klebung muss deshalb sicherlich vollflächig sein. Die Art des Leimes oder Klebstoffes darf aber die mechanische Bearbeitung auch nicht behindern. Ich würde kein UHU oder Pattex nehmen. Diese Klebstoffe sind zu lange weich und schmieren dann immer wieder aus den Ritzen heraus. Der Leim oder Klebstoff sollte ganz abtrocknen und ziemlich hart werden. Buchbinderleime sind Dispersionen, die auch immer eine gewisse Flexibilität beibehalten. Kleister und ähnlich Klebstoff sind meist Dextrine oder irgendwie auf Stärke basierende Substanzen. Kleister haben zwei Seiten. Durch die gute Verdünnbarkeit dringen sie tief in die Oberfläche des Papieres ein. Sie haben aber eine begrenzte Kohäsion (innere Festigkeit). Man kann aber viel mehr als Klebstoff verwenden als man denkt. Ein Buch habe ich mit einer hitzebeständigen Dichtungsmasse für einen PKW-Auspuff geklebt und das war super. De Verleimung darf keine Reaktionen zum späteren Schutz des Objektes erzeugen. Man kann Lacke nicht mit jedem Klebstoff mischen.
    Die Bearbeitung
    Ich würde mich von vorn herein auf viele Stunden sägen, feilen und schleifen einstellen. Ich habe vor vielen Jahren einen runden Buchblock gemacht. Das hat mich an den Rand der Verzweiflung gebracht. Ich habe den Buchblock gesägt, gefeilt und geschmirgelt. Das Ding ist aber nie wirklich glatt geworden. Das Papier war so weich, dass ich mit dem Schmirgelpapier immer wieder die Oberfläche zerstört habe.
    Die Schutzschicht
    Der letzte Arbeitsgang wäre eigentlich meine erste Frage. Wie wird das Objekt später benutzt. Kommt es in die Vitrine, oder als Ring an den Finger und bei 10 Grad minus an die Straßenbahnhaltestelle. Soll die Oberfläche hart, glänzend oder transparent sein. Der Grund warum ich diese Frage zuerst stellen würde ist ganz einfach. Vielleicht kann man das Schutzmaterial auch zur Verklebung der einzelnen Schichten benutzen. Wenn man zum Beispiel Kunstharzlack als Schutz möchte, muss man die Verdünnung zum Verkleben und die mechanische Bearbeitung lernen.


    Vielleicht kann man sich solche Objekte auf einer Messe oder so ansehen? Und dann hat mir noch ein Wort in der Frage sehr gut gefallen - probiert! Ich würde es probieren. Und wenn Du es geschafft hast machst Du uns schlau.


    Buntpapier

  • Das mit dem Papierschmuck herstellen hatten wir schon einmal als Thema hier im Forum. Soweit ich mich erinnern kann war das ein gelernter Schreiner ( aus meiner Gegend), der für seine damailge Freundin einen Ring aus einem Buch gemacht hat... hm. Jetzt bräuchten wir nur noch den Namen des Mitglieds und wir könnten ihn mal anschreiben und ihn ausfragen, wie er das gemacht hat. Ich geh mal die Mitgliederliste durch..

  • Wow, das ist mal eine Antwort (mit vielen Begriffen, die ich schon sooo lange nicht mehr gehört habe ;-).
    Ja, das mit dem Schreiner hatte ich auch gelesen. Leider hat er von seinen Ergebnissen nicht mehr berichtet. Das war dieser Threat .
    Vielen Dank schon mal!
    Ich würde gern ein Ring machen. Aber zunächst muss ich mal rauskriegen, wie man so einen festen Papierblock hinkriegt. Leider lässt sich da im Netz nicht sehr viel Konkretes finden. Ich habe nun beschlossen, es zunächst mal mit Zeitungs- und Zeitschriftenpapier zu testen. Zum Kleben von Papier (auf Pappe) haben wir früher in der AG ein Leim-Kleister-Gemisch verwendet. Vom Gefühl her würde ich es zunächst mit Zeitschriftenpapier und sehr dünnem Kleister probieren. Ich werde dann mal einkaufen gehen und vom Ergebnis berichten...
    ...und hoffe auf weitere Ideen, die ich ausprobieren könnte.

  • Das ist unter Handwerk der Beitrag: "Verfärbung beim Laminieren von Papier!" von Oli. Er hatte versucht Papier mit Epoxid-Harz zu kleben und bekam Verfärbungen.
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich jetzt erst richtig den Beitrag von Papierfrau verinnerlicht habe. Die Idee einen Block durch reines Feuchten zu erzeugen wäre wirklich einen Versuch wert. Wieviele alte Bücher sind zerstört, weil die Seiten durch falsche Lagerung zusammen kleben. Hut ab Frau Papierfrau!


    Buntpapier

  • Kurzer Zwischenbericht der Pressarie:


    • Tag 1: Habe ein altes Geo-Heft zum Testen geopfert.
    • ca 4x5 cm große Stücke geschnitten. Farbe egal. Ich will ja erst Mal nur testen...
    • jede Seite mit normalen (sehr, sehr dünnflüssig) Tapetenkleister bestrichen und zu einem Stapel zusammengelegt. Dabei ist festzustellen, dass farbig bedruckte Seiten das Wasserkleistergemisch kaum annehmen, eher alles abperlen lassen.
    • Den Stapel habe ich dann zwischen zwei mit Plastikfolie versehenen Holzstücken mit einer Schraubzwinge gepresst. Tropfte ordentlich!
    • Tag 2: Stapel ist natürlich noch feucht, aber schon recht fest. Mit frischen Trockenblättern wieder eingespannt. Das Trocknen dauert bestimmt noch ein paar Tage.
    • Muss eine zweite Schraubzwinge kaufen - sonst dauert das Testen zu lange.
  • Hallo buxxcut!
    Ich denke die Wahl des kleinen Formates war klug. Ich habe einmal einen 10x10cm und 1cm hohen ganz nassen Stapel Kopierpapier zwischen zwei Glasscheiben getrocknet. Das Papier ist total schimmlig geworden. Viel Glueck und screib' bitte weiter.
    Buntpapier

  • Zwischenbericht II



    • Tag 3: Der Block ist recht fest, habe ein wenig daran rumgeschnitzt. Dabei ist er allerdings auseinander gefallen. Und zwar genau an den Seiten, die stark bedruckt waren und an denen der Kleber abgeperlt war. Geo-Hefte in Verbindung mit Kleister sind also nicht geeignet.
      Habe daraufhin einen uralten Schülerduden geopfert. Das Papier ist deutlich saugfähiger und nicht so flächig bedruckt. Wieder schnell einen 4x5-Block gebastelt und eingezwängt.
    • Tag 4: Es trocknet, mit neuem Trockenpapier vorn und hinten versehen, wieder eingezwängt.
      Habe eine zweite Schraubzwinge gekauft und werde dem dünnen Kleister noch ein wenig Leim hinzufügen. Dann probiere ich es mit Spiegel-Seiten.
  • Zwischenbericht III



    • Tag 5+6: Beide Blöcke sind gut fest geworden. Habe die Blöcke aus den Zwingen genommen und lasse sie weiter trocknen.
    • Tag 7+8: Habe etwas herum geschnitzt und Löcher in die Blöcke gebohrt. Mit einem Mini-Schleifer das Fingerloch vergrößert.


    Ich werde mal aus beiden Blöcken kleine Ringe machen. Nun ist sicher etwas handwerkliches Geschick und etwas Zeit erforderlich.


    Als nächstes stellt sich die Frage nach dem Versiegeln. Welchen Lack würdet Ihr empfehlen?
    Er soll natürlich vor Nässe schützen. In dem TV-Betrag ist der Ring sogar wasserfest und schwimmt im Wasserglas. Habt Ihr einen Tipp für mich?


    In der Galerie findet Ihr mal ein paar Bilder vom bisherigen Verlauf. Fortsetzung folgt...

  • Oh, das sieht ja schon sehr vielversprechend aus! Besonders die roten Seiten machen sich gut im Ring, finde ich. Danke, daß Du uns auf dem Laufenden hältst!
    Ich würde zum Lackieren einen Tapetenlack verwenden, wobei es natürlich sein kann, daß sich der im Laufe der Zeit verfärbt oder abschabt. Schiffslack oder Klavierlack wäre ev. auch denkbar?


    LG Papierfrau

  • Hallo buxxcat!


    Gratulation der erst Schritt ist gemacht.
    Ich habe leider keine Erfahrung mit Lacken. Schifflack wird sehr hart, das ist bestimmt nicht schlecht. Vielleicht gibt es in Deiner Nähe auch eine Autolackiererei die haben immer Klarlack im Gebrauch. Bestimmt bekommst Du einige Tropfen zum Probieren. Vielleicht kannst Du mit Reststücken etwas experimentieren.



    Buntpapier

  • So, dann will ich mal von den weiteren Fortschritten berichten:



    • Zuerst musste ich mir mal neues Werkzeug besorgen, denn der Akku meines Dremel-Verschnitts war wegen langer Nichtbenutzung ziemlich hin. Habe mir einen anderen Dremel-Verschnitt ohne Akku besorgt. Sehr empfehlenswert ist eine biegsame Welle. Damit kann man schon recht gut und fein arbeiten. Insgesamt muss ich damit aber erst Mal üben, richtig perfekt ist mein Erstlingswerk noch nicht.
    • Habe weiterhin einen Block aus einem alten Spiegel-Heft gemacht. Klebung mit Kleister-Leimgemisch (ca 60:40). Block war recht fest und gut zu bearbeiten. Allerdings sind die Seiten sehr dünn, und das Ganze sieht ohne Farbakzentuierung etwas grau aus. (siehe aus Galerie). Als Lack habe ich einen Decoupage-Lack verwendet, den ich noch hatte. Allerdings weiß ich nicht, wie wasserfest der ist.
    • Der erste Versuch mit dem Schülerduden (und der roten, etwas dickeren Papiereinlage ist leider gescheitert. Bei der Bearbeitung ist der Ring leider überall eingerissen und auseinandergefallen (siehe Galerie).
    • Habe einen zweiten Versuch gemacht mit mehreren bunten (normaldünnen) Blättern. Diesmal habe ich das Kleister-Leimgemisch wie beim "Spiegel"-Ring verwendet. Bin noch bei der groben Bearbeitung (siehe Galerie). Bis jetzt hält es. Da der Block bei der Bearbeitung doch recht weich zu sein scheint, werde ich es nun noch mit anderem Kleber versuchen. Hatte auch mit Sekundenkleber experimentiert. Das funktioniert aber gar nicht, weil die Verarbeitungszeit viel zu kurz ist. Und die Finger sind auch extrem gefährdet. Außerdem stickt es fürchterlich...


    Das war's erstmal für heute. Demnächst mehr...

  • Hallo buxxcat
    Das sieht doch wirklich sehr gut aus. Ich bin begeistert wie filigran der Ring (an dem Finger) geworden ist. Mein Hochachtung. Jetzt bist Du „Chef de bag de alliance de papier“.


    Vor einigen Tagen habe ich noch an Dich gedacht. Ich habe Farbe gekauft und sah einen Dose klaren Tischlack. Es soll auch sehr hart sein.


    Das mit der farbigen Oberfläche wird schon werden. Ich arbeite oft an Papierschneidemaschinen. Zur Maschinenjustage schneidet man Makulatur aus großes Bögen zu kleinen Klötzen. An den Schnittkanten gibt es immer mal wieder wunderschöne Muster. Wenn Es bei Dir in der Nähe eine Druckerei gibt, kannst Du ja dem Papierschneide zusehen. Dann verstehst Du sofort was ich meine.


    Aber ich bin wirklich beindruck von Deinen bisherigen Ergebnissen.


    Buntpapier

  • Servus buxxcat,


    gibt's schon Neuigkeiten? Haltbarkeit Klebung, Lack?
    Möchte demnächst eigene Experimente starten.


    LG Andreas