Dienstag 27 Februar 2024

Vorsatz

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  • Hallo, ich hoffe, mein Thema passt hierhin. Sonst verschiebt es gern.

    Meine Frage ist: Welches Papier benutzt Ihr für den Vorsatz?

    Kann man auch andere Materialien nutzen?

    Wenn ja, welche?


    Viele Grüße,

    Jörg

  • Im Prinzip verwende ich Vorsatzpapier, oder Büttenpapier. Wichtig ist dabei die Zähigkeit. Also hab ich auch schon mal Kraftpapier verwendet. Für mittelalterliche Schinken verwendet man Pergament.

    Ansonsten wird im Deckel schon mal statt des Papiers das man in modernen Büchern fast ausschliesslich nimmt, auch schon mal Seide.

    Ganz edel sind natürlich selbst gemachte Marmorpapiere, wobei da auch auf die Trägerpapierfestigkeit geachtet werden sollte.

    Ich denke letzteres ist der einzige Hinderungsgrund seiner Phantasie vollkommen freien Lauf zu lassen.

    Und, es kommt dabei dann auch drauf an, wie das Buch gebunden ist.

    Bei meinem Lieblinsvorsatz ist das relativ unerheblich weil das nicht zur Stabilität des Buches beiträgt, aber wenn der Streifen Leim das ganze Buch tragen muss, brauchst du auch reiss- und biegefesteres Material.

  • Ich habe auch schon mal farbiges Druckerpapier oder Bastelkarton (das von diesen Abreißblöcken aus dem Bastelbedarf) verwendet, weil ich nichts anderes hatte. Ging schon, weil die Bücher nicht so dick waren. Aber in Zukunft werde ich dann doch eher das richtige Material verwenden, weil das einfach besser passt.

  • Ich denke es gibt zwei wesentliche Gesichtspunkte für ein Vorsatzpapier.


    Das erste ist die Mechanik. Das Papier sollte im Falz (Knick) nicht zu schnell brechen. So würde ich von Kunstdruckpapier oder anderen stark beschichteten Papieren abraten. Da wir ja die Verbindung zwischen dem Buchblock mit Gaze oder der den Bändern / Schnüren erzeugen, ist die Reißfestigkeit nicht sooo wichtig. Ich verwende was optisch passt. Wenn ich mehr Haltbarkeit brauche, mache ich zum Beispiel eine Lage als Vorsatz oder ich hinterklebe das belastete Blatt mit einem dünnen Gewerbestreifen.


    Der andere Gesichtspunkt ist die Gestaltung oder Ästhetik. Das Vorsatz ist der Übergang zwischen dem dicken Deckel und den im Verhältnis dünnen Buchseiten. Deshalb verwenden viele Buchbinder ein kräftiges Papier. Daneben kann die farbliche Gestaltung wichtig sein. Die Buchdeckel sind ja im Grunde fast immer irgendwie farbig und die Buchseiten sind meist „weiß“. Da kann ein Übergang sehr schön aussehen. Nicht zu knallige Buntpapiere, oder bedrucktes Papier mit Mustern sind auch sehr schön. Das Letzte ist dann die Idee auf das Thema des Buches vorzubereiten. Man macht den Buchdeckel auf und wird schon durch ein bedrucktes Vorsatz auf das Thema hingewiesen. Dann ist das Vorsatz so etwas wie eine Einleitung.

  • Hallo,

    ...und wieder habe ich eine ganze Menge gelernt.

    Vielen Dank für das geteilte Wissen😇

    Weiß jemand, ob man dünnes,gehärtetes Leder oder Segeltuch als Vorsatz verwenden kann?


    Habt einen schönen Freitag😉

    Jörg

  • Warum sollte Leder nicht funktionieren. Wenn außen Leder funktioniert, dann funktioniert es innen auch. Das Leder muss nur genug Platz haben um sich biegen zu können, sonnst bricht es schnell.

    Bei Vorsätzen mit Gewebe gibt es von hinten hinterklebte Vorsätze. Beim fertigen Buch sieht man den Gewebestreifen (meist ein schmales weißes Gewebe) nicht.

    Es gibt aber auch Vorsätze bei denen man etwas oder mehr sieht. Hier sind drei Varianten. Bei der letzen Variante ist die Zeichnung erklärt.

     

    Bei dieser Variante ist das Vorsatz eine 8 seitige Lage. Dazu wird ein Blatt umgehängt. Dann wird der Gewebestreifen umgehängt. Danach wird das Buch geheftet (geleimt, hinterklebt, etc.) und der Buchblock eingehängt, Dann noch den Deckel von innen bekleben. Das umgehängte Blatt und das Blatt innen auf dem Deckel können so zum Beispiel vom Buchblock farblich abgesetzt werden. Beim Öffnen man einen schmalen Streifen des Gewebes.

     

    Bei der zweiten Variante wird ein kräftiger Karton an einen Gewebestreifen gehängt und mit den Lagen des Buches und der Vorsatzlage mit geheftet.

       

    Die dritte Variante ist für sehr schwere (meist Sprungrücken) Bücher. Hier werden sogar zwei Lagen als Vorsatz angefertigt. Die äußere Lage des Vorsatzes hat einen breiten sichtbaren Gewebestreifen. Und die innere Lage des Vorsatzes hat einen schmalen sichtbaren Gewebestreifen.

  • Weiß jemand, ob man dünnes,gehärtetes Leder oder Segeltuch als Vorsatz verwenden kann?

    Segeltuch, stell ich mir hübsch vor, aber es wird fransen vom umblättern.

    Dünnes Leder ist wie Pergament, klar geht das auch. Es gibt auch Korkleder, das hab ich auch schon als Vorsatz gesehen.


    Schöne Papiere gibt's auch hier

    https://www.buntpapierwelt.de/buntpapier/spezialpapiere.html

    Oder hier

    http://www.buchbinderbedarf.de/index.php

    Der hat ganz coole bedruckte Vorsatzpapiere.

  • Ihr habt mir viel Material zum stöbern und wichtiger noch, zum nachdenken gegeben...

    Danke dafür... .

    Ich werde mich jetzt mal ans Werk machen.😉


    Habt ein schönes Wochenende


    Viele Grüße,

    Jörg

  • Wie Buntpapier schon schrieb: das Vorsatz ist die Verbindung zwischen Buchdecke und Buchblock.

    Es sollte stabil und dauerhaft sein sowie haptisch wie optisch zum Buchblock passen und einen logischen Übergang bilden. Nicht zu sperrig, aber auch nicht zu dünn besetzt — Stichwort kaschierte Buntpapiere z.B. (Marmorpapier, Kleisterpapier).

    Und es muss nicht immer das (elfenbeinfarbige) Maschinenbütten in 120 g sein – obwohl genau dieses Papier die wenigsten Probleme macht, vor allem beim Anpappen. Stichwort Dehnung quer zur Laufrichtung nach dem Anschmieren, Blasenbildung, Falten etc.

    Da sind dann farbige Papiere wie z.B. Efalin mit besonderer Sorgfalt zu behandeln. Da muss man schauen, wie man den Leim einstellt. Oder ob man mit einer Mischung aus Dispersionsleim und Kleister oder Kleister pur (Zellulose oder Stärke) besser klarkommt.

    Ich finde, die Verarbeitung ist ein wichtiger Aspekt. Durchgeschlagener Leim oder bleibende Welligkeit im Bereich der Fälzl machen dann das beste Material kaputt.

    Realitätsnahes Probieren vorher ist also die beste Wahl.

    Ansonsten: so fern auch die Material-Wahl sein sollte — wenn es passt, seinen Zweck erfüllt und dazu noch so ausschaut, als hätte es niemand gemacht, dann ist es perfekt. Und jeder Versuch, der ein wenig besser als der vorherige endete, ist der Weg zur Perfektion. Unsere Vorfahren haben auch nur durch Versuch und Irrtum gelernt.

    Beste Grüße

    Karsten

  • Guten Abend -

    ich freu mich über soviel Hilfsbereitschaft.

    @Karsten

    Ich versuche gern und probiere oft auch mal rum - warum soll man nicht die Erfahrungen anderer nutzen, wenn sie bereit sind, sie zu teilen? Es geht nur durch versuchen, da stimme ich Dir zu.

    Papierfrau

    Papyrus hat, wenn ich nicht irre, hohle Stengel, die sehr hart sind. Es wäre interessant zu wissen, wie man daraus Schriftrollen macht?


    Viele Grüsse,

    Jörg

  • Dankeschön - ich guck gleich mal😇

    @Karin B.

    Der letzte Satz ist so wahr und gilt für alle Produkte, die mühsam von Hand hergestellt werden..