Dienstag 27 Februar 2024

Buchbinden - Erster Versuch

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  • Hallo zusammen,


    habe mir jetzt mal die Zeit genommen und mit meinem ersten Buch begonnen, geheftet wird mit Nadel und Faden. Ich werde nach und nach Bilder vom Fortschritt reinstellen. Sehr gerne bitte ich um Hinweise und Verbesserungsvorschläge!


    Der erste Schritt war der Druck und Lochung. Format DIN A5. 4 DIN A4 Seiten bilden einen kleinen Block für sich, d.h. 16 Seiten pro Block, 27 Blöcke insgesamt wenn ich mich nicht verzählt habe. Lochungsabstände 11x 17mm (Berücksichtigung 16mm Köperband von Klaus), Randabstände oben und unten jeweils 12mm. Anbei die ersten beiden Bilder, hier kann ja noch nichts wirklich schief gehen :)


    Nachtrag: Papier ist 90g/m²

  • Hallo Ferdok!

    Das sieht doch schon sehr gut aus.

    Die Menge der Bänder ist bei Deinem Buch mehr als ausreichend. 4 Bänder hätten auch ausgereicht. Es ist aber kein Fehler!

    Die Köperbandstreifen sollten etwa 4-5 cm länger sein als der Buchblock hinten dick ist. Das soll heißen: Ist der Buchblock (also wie im Foto alle Lagen aufeinandergelegt) 3 cm dick sollten die 6 Bänder ein Länge von 7- 8 cm haben. Dann kleben die Enden später ordentlich auf den Deckeln. Wenn man eine Heftlade benutzt wird erst geheftet und dann werden die Bänder auf die richtige Länge abgeschnitten.

    Ich würde vor dem Heften noch das, bzw. die zwei Vorsätze ankleben. Das ist einfacher.

    Beim Heften den Faden immer waagerecht und nach außen stramm ziehen. Das soll heißen: Ist der Faden aus dem letzen Loch der jeweiligen Lage heraus gekommen, wird er vom Buch weg waagerecht nach links, bzw, nach rechts gezogen. Dann ist das Risiko, das die Löcher ausreißen gering. Wird der Faden in Richtung der heftenden Person gezogen reißen die Löcher aus. Ich habe gelernt, das ich strammer heften soll. Denn dann ist die spätere Behandlung des Buchblocks einfacher. Das ist dann alles nicht so schwabellig. Also ordentlich stramm heften.

    Die Sache wird ein gutes Ende nehmen!

    Viel Spaß

  • Danke für die praxisnahen Tipps! Was meinst du mit den Vorsätzen, die ich vor dem heften ankleben sollte? Stehe wohl grade auf dem Schlauch.

    Ein paar Fragen hätte ich noch zur Heftgaze, reicht die einfädige Variante von Schmedt oder sollte ich doch besser zur zwei- bzw. dreifädigen greifen? Von der Stabilität ist mehrfädig sicher besser, aber es trägt wohl auch recht dick auf?

  • Vorsatz ist das Papier, dass den Buchblock mit der Decke verbindet. Eine einfache und übliche Variante wäre einen Bogen des 90g-Papier mittig zu falzen. Fertig! Das ist jetzt ein vierseitiger Bogen. Man braucht zwei davon. Ein Vorsatz für vorne und ein Vorsatz für hinten.

    Das ist die theoretische Darstellung.

    Hier sieht man das aufgeschlagene Buch

    Und hier kann man die Klebung als dunkle Linie in der Mitte erkennen. Die rechte Seite erscheint heller weil dahinter eine Lampe steht.

  • Ein paar Fragen hätte ich noch zur Heftgaze, reicht die einfädige Variante von Schmedt oder sollte ich doch besser zur zwei- bzw. dreifädigen greifen? Von der Stabilität ist mehrfädig sicher besser, aber es trägt wohl auch recht dick auf?

    Kommt drauf an, wo du die hinpappen willst :)

    Einfädig reicht vollkommen., wenn du den Rücken damit hinterkleben willst. Zu viel auf den gepappt macht ihn nur wieder schwerer aufzuschlagen.

  • Heute bin ich dazu gekommen alle 27 Blöcke zusammenzunähen, habe mich dabei an die Tutorials von DASBookbinding gehalten, welche wirklich sehr hilfreich für mich waren.


    Verwendet wurde eine 15er Heftnadel und das dünnste Leinengarn das ich finden konnte: 60/3. Anfangs hatte ich Bedenken ob das nicht viel zu dünn sei, im Nachhinein bin ich aber froh kein dickeres genommen zu haben: Buchrücken liegt bei knapp 30mm Höhe, die Vorderseite bei 20mm, wobei das unkomprimierte Maße sind.


    Ich habe gelernt, das ich strammer heften soll

    Habe ich getan, man sieht beim durchblättern des Buchblocks keine Lücken, hoffentlich ist das nicht zu fest gewesen. Die Köperbänder lassen sich teilweise sehr schwer verschieben.


    Im Eifer des Gefechts hatte ich vergessen die Vorsatzpapiere vorab anzukleben, naja muss halt hinterher gemacht werden.


    Hat ne Menge Spaß gemacht. Als nächstes kommt der die Verleimung + Verrundung des Buchrückens 🙂


    Muss ich den Buchblock eigentlich unter die Presse legen oder kann der so liegen bleiben?

  • Hallo Ferdok!

    Das sieht sehr gut aus. Ich denke Du hast alles richtig gemacht. Ich habe niemals die Buchblöcke gepresst. Beim Runden wird ja noch genug gepresst.

    Jetzt die Vorsätze ankleben.

    Wenn Du die Buchblöcke rundest, wirst Du sehen dass die Rundung recht stark ist. Ein Brett unter den Buchblock, ein Brett über den Buchblock, dann etwas Druck mit den Händen und schon hast Du eine Rundung. Ein später 2,5 cm dickes Buch darf schon eine Rundung haben. Damit steht es auch später gut im Regal.


    Alles gut, weiter so und viel Spaß

  • Heute wurde der Buchrücken mit einer ersten Schicht Leim bepinselt und anschließend gerundet.

    Anschließend wurden dann noch die Buchkanten am Rücken auf ca. 2,5mm Dicke umgekantet(gehämmert). Ich habe mich anfangs gefragt warum man die Buchkanten überhaupt umkanten soll, jetzt habe ich es verstanden: Das Buch wird dadurch bis zur Rundung am Rücken plan/eben. Ohne das Umkanten, würde der Faden zwischen den einzelnen Blöcken das Buch am Rücken anschwellen lassen und die Buchdeckel würden zur Buchvorderseite spitz zusammenlaufen.


    Zuletzt wurden noch die Kapitalbänder angeklebt.


    Es fehlen noch eine Dicke Schicht Leim und das Kraftpapier, dann gehts an den Einband. Vermutlich werde ich mich an beschichtetem Buchleinen Versuchen, aber es reizt mich auch Kunstleder zu verwenden.


    Eine Frage: Es gibt Buchleinen bei dem auf einer Seite Papier aufgebracht ist, kann so etwas zum Buchbinden verwendet werden oder sollte es rein Leinen sein?

  • Hallo Ferdok!


    Das sieht sehr gut aus. Damit ist der Buchblock im Prinzip fertig.


    Vor dem Kapitalband hätte man den Buchblock noch beschneiden können. Dazu braucht man entsprechende Geräte. Das Beschneiden ermöglicht ein leichteres Blättern der Buchseiten.


    Der Rücken des Buchblocks wird noch hinterklebt. Bei einem normal genutztem Buch wird eine Hülse angefertigt und auf den Rücken geklebt. Das macht den Rücken im geöffneten Zustand schöner und erleichtert das Einhängen der Decke.


    Dann wird die Decke gemacht. Zum Beziehen habe ich nur mit Papier beschichtetes Buchbinderleinen benutzt. Es geht auch anders, aber ich würde zumindest beim ersten Buch nur Buchbinderleinen verwenden. Leinen ohne Beschichtung aus Papier lässt den Klebstoff durch. Das kann sehr schnell sehr schlecht aussehen. Ganz ohne eine Beschichtung habe ich noch kein Leinen benutzt. Ich habe einmal ein Stück Stoff selbst mit Papier beschichtet und dann verarbeitet. Aber ich benutze im Grunde nur Buchbinderleinen mit der Papierschicht auf der Rückseite.


    Die Verarbeitung von Kunstleder ist nicht anders als Buchbinderleinen. Ich würde dann aber runde Ecken an den Deckeln machen.


    Die Ecken würde ich vor dem wirklichen Beziehen der Decke kurz einmal üben. Den Bezugsstoff zuerst unten und oben einschlagen. Erst danach vorne. Dann hält die Ecke länger / besser.


    Gratulation, das wird ein richtiges Buch. und weiterhin viel Spaß

  • Vor dem Kapitalband hätte man den Buchblock noch beschneiden können.

    Da habe ich wirklich kurz drüber nachgedacht, gebrauchte Stapelschneider gibt es einige von namhaften Herstellern, ich denke beim zweiten oder dritten Buch (also nach etwas Übung) werde ich mir so etwas zulegen.

    Die Ecken würde ich vor dem wirklichen Beziehen der Decke kurz einmal üben.

    Das habe ich auf alle Fälle vor, vor allem weil sich die Buchdeckel verziehen können, da möchte ich üben wieviele Blätter oder welche Dicke von Blättern man braucht um den Verzug auszugleichen. An dieser Stelle vielen Dank für deinen Hinweis auf DASBookbinding auf Youtube, dadurch habe ich vieles gelernt was ich sonst vermutlich falsch oder gar nicht gemacht hätte :thumbsup:

  • Für das Vorsatz muss es nicht unbedingt Vorsatzpapier sein. Das Vorsatzpapier aus dem Buchbindereibedarf ist gut. Gar keine Frage. Aber es geht auch anderes Papier. Da Buchbinder Schnüre, Heftband, Gaze, etc. verwenden hängt der Buchblock nicht nur am Vorsatz. Wie Papierfrau schon schrieb, es sollte nicht zu dünn sein. Wichtig ist auch die richtige Laufrichtung! Denn das Vorsatz wird ja immer wieder geknickt.

    Hat man Angst, dass das Vorsatz nicht hält, kann man vor dem Heften, die erste Lage zusammen mit dem Vorsatz, mit einem Fälzerstreifen (hier ginge unkaschierter Stoff) hinterkleben. Dann ist der Knick gesichert.


    Ja, ein Stapelschneider ist praktisch. Aber man braucht Platz und einiges an Geld. Ich habe eine ca. 100 Jahre Hebelschneidemaschine von Krause. Das Ding ist perfekt, braucht aber 2m². Moderne neue Hobby-Geräte haben mich dagegen nie wirklich überzeugt. Czil hat mal für sich ein einfaches aber gutes Handgerät gebaut. Da lohnt es sich auch hinzusehen.

  • Doktor Flyer

    Hat das Label Projektvorstellung hinzugefügt
  • Hatte auch immer von einem Stapelschneider geträumt, aber inzwischen von meinem Hobel überzeugt. Die Art mit der ich binde, ist für einen Stapelschneider gar nicht so geeignet.

    Vor allem wenn ich bedenke, dass ich vielleicht 5 Bücher im Jahr binde.

    Früher bin ich mit dem Block zum Copyshop gegangen.

  • Ja, klar, gerne:

    Beschneidehobel aus einem "Dönermesser"

    Das ist mein Eigenbau, nachdem ich ein Angebot so eines Dings aus Amerika im Internet gefunden hab (für x-hundert $) hab ich das selbst nachgebaut.

    Es geht auch einfacher. Jeff Peachey, eine amerikanischer Werkzeugmacher und Buchbinder preist dafür ein einfaches Hobelmesser an. Und zwar eins mit einer gerundeten Schneide.

    https://www.peacheytools.com/shop/ely-edge-knife

    Das geht auch, da brauchst du nur die Klinge von einem Schrupphhobel

    https://upload.wikimedia.org/w…G/1280px-Schrupphobel.JPG

    Das und eine ruhige Hand beim abschneiden der Seiten. Geht aber recht flott, vor allem wenn du gerade Pressbretter hast, auf denen die Klinge schön gerade aufliegen kann.