Passt meine Maschine zu meinem Anspruch (nur Problem?)

  • Guten Abend,


    meine Mohr 80 Eco und ich werden irgendwie keine Freunde. Ist die Maschine so "schlecht"? Ist mein Anspruch zu hoch oder hab ich ein Montagsgerät, die mich ärgern will?


    Zur Geschichte: Auf der Drupa 2016 haben wir uns von FKS eine besagte Mohr 80 Eco (laut FKS identisch zu Polar 78) andrehen lassen, die dann eine Ideal mit 72cm Schnittbreite abgelöst hatte. Wir wollten eigentlich nur eine Maschine, die komfortabler programmierbar ist, ggf. auch noch Luft hat und generell "professioneller" ist. Bis dato war eine Schneidemaschine nur Mittel zum Zweck. 2022: Die Funktionen sind kaum ausgenutzt, der Lufttisch wird kaum aktiviert, man nutzt regelmäßig seine etwa 50 Programme UND man hat 6 Jahre ein Schnittbild, das einen Wahnsinnig werden lässt:


    Pilzschnitt, Hohlschnitt und Überschnitt - alles in eins. In der weiteren Verarbeitung (Falzen, Lagenfalz, etc. nur Probleme, weil natürlich ständig die Bogenlänge variiert oder eben der Stapel nicht ordentlich "eingepasst" werden kann). Nach der Aufstellung war die Aussage von FKS, wir sollten uns dann mal um nen passenden Messerwinkel kümmern, das wäre üblich, wenn man von Hobbymaschinen in den professionellen Bereich kommt. Gesagt - getan, unseren Messerschleifer um der Ecke bei jedem Schleifauftrag ein neuen Winkel vorgegeben, Vorfase bestellt, Probeweise bei Remscheid schleifen lassen (die schleifen wohl nach eigener Aussage etwas "rundlicher", was besser als eine Vorfase sein sollte und deren Kunden gute Erfahrungen haben. Jetzt mittlerweile bei Hagedorn gelandet, um zumindest die Fehlerquelle des Schleifers um der Ecke auszuschließen (der vorher für das schleifen von 5 Messern rund 60€ Brutto verlangt hatte). Auch nicht besser - ich würde sogar sagen, die Messer vom Schleifer ausm Ort waren "schärfer", wenn man das so sagen kann.


    Ende vom Lied ist, 6 HHS Messer und 1 Hartmetall im Einsatz. Messerwinkel 21/23 (beim HM 19/21/22) scheinen sich jetzt über die Jahre so eingependelt zu haben. Die HHS sind gefühlt nach 500 Schnitten stumpf, man lässt Sie dann 2000-3000 Schnitte drin und spätestens dann fliegt es raus. Das HM schafft in etwa das doppelt bis dreifache. Teilweise habe ich sogar das Gefühl, das Messer ist direkt mit dem ersten Schnitt stumpf. Wie gesagt: ich werde noch wahnsinnig - Thema Messer im letzten Jahr beendet, daran kann es nicht wirklich liegen. Also nun der Anruf bei FKS; Techniker kommt und ... naja ... sehr traurig. Unterschied von HSS zu HM war nicht bekannt. HM extra einen Tag zuvor eingesetzt, damit kein blöder Spruch von wegen stumpfes Messer oder HSS kommt. Stattdessen: "ah Hartmetall ist auch gar nicht so gut, habt ihr da nicht besseres?" Ab dem Moment war mit klar, der muss schnell wieder raus habe ihm aber dennoch noch ne Chance gegeben einmal über die Maschine zu schauen. Dass der Sattel sich um etwa einen halben Millimeter von links nach rechts unterschied schmetterte er direkt mit "das ist sehr gut, da gibt es Maschinen mit weit mehr Differenz sowas im Hunderstelbereich kann man nicht einstellen, das würde ich so lasse." (das mein Bruder und ich das zuvor mit begrenzten Mitteln soweit immer ganz gut hinbekommen haben ließ ihn aber kalt). Na gut, zumindest hat er dann gemerkt, dass der Zylinder undicht war. 2 Stunden telefonieren mit Mohr und 3 Tage später das Angebot: Neuer Zylinder irgendwas um 5000€ + noch mal 2000€ Arbeitsstunden für 2 voll angesetzt 2 Tage von 2 Technikern. Da haut's einen erst mal um.


    Ein paar Anrufe und Tage später dann endlich ein patenter Mann, der Ahnung in seinem Bereich hat aber leider auch mit nicht guten Neuigkeiten: Okay, der Zylinder Ein- und Ausbau und Justage ist wohl für ihn alleine eine Sache von 1 bis 1 1/4 Stunden und die Reparatur statt Austausch des Zylinders liegt bei rund 1000€. Das war zumindest schon mal eine gute Nachricht. Alles andere eher ernüchternd. Zusammengefasst: Für uns eine total falsche Maschine. Zu wenig Presskraft (max. 2,5t) und sowieso: Sattelführung seitlich und der Druck vom Messer wird vom Druck des Balken genommen. Eine Maschine für "Copyshops und Hausdruckereien ohne Anspruch". Alles nur nicht das von FKS versprochene und erst recht nicht im Ansatz vergleichbar mit der Polar 78. Erst mal ein kleiner Schock. Aber er schaut sich die Maschine grob oberflächlich an (war nur grad bei uns in der Nähe und wollte sich die Maschine mal anschauen) findet aber nichts bzw. vermutet, ob da auch wirklich genug Pressdruck runterkommt woher die Schnittprobleme kommen. Beim nächsten Termin mit passenden Werkzeug dabei sollte es dann Aufschluss geben.


    Der Termin kam noch nicht aber das Thema lässt einem keine Ruhe. Überall liest man "nur so wenig Druck wie nötig" und ich schneide nun keine großformatig hohen Stapel, dass ich soviel bräuchte - denke ich zumindest. Dazu am Ende mehr, was und wie ich schneide.


    Also noch mal ein Anruf, ob er nicht noch eine weitere Idee hätte ausser dem Druck aber auch da (hätte ich mal lieber nicht gefragt) dann eine recht ehrliche Einschätzung: Der Fehler ist sehr untypisch und an sich eigentlich der größte Käse und wenn es nicht am Druck liegt hat er auch keine Ahnung. Schnell war man beim Thema, dass sowas dann auch schnell sehr kostspielig sein kann und die Ersatzteile (ob man Sie nun braucht oder umsonst eingebaut hat) sehr teuer sind. Irgendwelche Bypassventile für 3.500€ das Stück war da nur eins von vielen Dingen, die er aufzählte. Also war man auch schnell beim Thema wirtschaftlicher Totalschaden, Maschine nach Afrika und ne neue sind unterm Strich günstiger.


    Nun bin ich keine Großdruckerei oder ähnliches, dass ich mir mal eben nach 6 Jahren wieder eine neue oder gute Gebrauchte für weit aus mehr als 15.000€ kaufen möchte und auch eigentlich kann. An sich will ich ja nur einen geraden Schnitt von Oben nach Unten. Der Lufttisch ist mir mittlerweile egal. Vielleicht bin ich für das Herzstück einer Druckerei auch einfach nur zu geizig, wenn man überlegt, was der Rest so kostet.


    Jetzt steh ich vor der großen Frage: Steck ich das Geld in Techniker und Ersatzteile und ggf. ohne Erfolg oder in eine Neue und wenn ja, wie verhindert man so ein Schlamassel, dass man nicht wieder so ein Modell erwischt? Natürlich bin ich auch für jeden Hinweis einer Fehlerquelle ob an der Maschine oder meinem Verhalten dankbar. Oder ist mein Problem gar kein Problem und das liegt in der Physik von papier und Schneiden und man hat immer einen Pilz- Hohl und/oder Überschnitt und da hilft auch keine Polar mit Schwungmasse, 7t Pressdruck und was noch alles besser als an unserer Mohr sein soll.


    Nun dazu was und wie ich schneide bzw. wie sich das ganze Teils entwickelt hat:

    Papiere: 40% Ungestrichen (oft Soporset 80-350g), 40% Bilderdruck, 10% Autocopy und 10% spezielles Zeugs wie Haftpapiere, Metallic, Transparent, Graupappe, Syntetisches

    Druck: etwa 50/50 Offset- und Digitaldruck bei dem einen eher viel Masse und bei dem anderen viele Aufträge dürfte aber auf das zu schneidene Papiere etwa auf das gleiche rauskommen

    Stapelhöhe und -format: Wenn ich nicht grad die Riese halbiere oder viertel schneide ich vereinfacht gesagt nur SRA3 bedruckt. Meist maximal auch nur etwa 5/6cm

    Pressdruck: Anfangs hatte ich die Maschine immer pauschal auf 2t stehen. Das war so von FKS nen Tipp. Nach dem Gespräch mit Hagedorn und dem HM-Messer bin ich mittlerweile recht variabel am verstellen je nach Sorte, Stapelhöhe und auch Format und bewege mich meist bei 500-1000 für Gestrichen und Ungestrichen. Manchmal auch nur 200/300 wenn wenig oder kleine Formate oder auch mal 1.5000 bei Haftpapier. Eigentlich so, dass sich im größten Format das Papier nicht mit der Schnittbewegung bewegt und festgehalten wird.

    Schneidleisten: ich habe leider noch nur die roten aber auch da habe ich schon eine weisse bestellt, die zum Einsatz kommt, wenn denn die roten mal leer sind. Anfangs bin ich jedes mal nich mit dem Excenter 2-3-4x runtergegangen. Tipp von Hagedorn war, den auf "1" belassen und Schneidleiste drehen erhöht die Standzeit enorm. Hat aber auch keinen großen Effekt gebrachrt. Zumindest nachdem, was ich lese, dass nen HSS Standzeiten von 5-10.000 haben soll und nen HM 20.000 bin ich da bei etwa 1/4.


    In meinem 5cm hohen Stapel habe ich nun folgende Abweichungen:

    Je nach Material bis zu 1mm - im Schnitt sind es eher so 0,25/0,5mm - vom kleinsten zum größten Maß. Das ist dann oft aus einem Zusammenspiel von Pilz- und Überschnitt (meistens bei dünnerem Ungestrichen Papier). Wobei in dem Fall dann der oberste und unterste Bogen nahezu identisch sind, als wenn das Messer sich erst in das Papier drückt und dann durch den Stapel langsam aber sicher irgendwie sein eigentlich Stand erreicht. Beim gestrichenen Papier bleibt zumindest der Pilzschnitt weitestgehend aus, da sieht man es nur wenn man 2-3-4 Nutzen geschnitten hat und diese nebeneinander wieder für einen anderen Schnitt einlegt und sich dann so langsam ein "Muster" aufbaut. Der Hohlschnitt kommt noch dazu - oder manchmal auch nur dieser -, wenn ich dann Haftpapiere oder Synthetisches schneide, der es dann aber auch oft in sich hat. Da hat son 3cm hoher Stapel aschonmal gerne einen ganzen Millimeter Differenz vom längsten zum kürzesten Bogen. Am Ergebnis ändert sich durch den Pressdruck meiner Beobachtungen nichts, auch wenn ich auf maximale 2,5t stelle.


    Als kleine Infos sei noch dazu gesagt:

    a) Die Maschine stand noch bis heute auf so 5mm dicken Anti-Rutsch-Matten, da hatte ich heute spontan noch überlegt, die rauszunehmen, ob da irgendwo etwas ungünstig schwingt aber leider auch ohne Erfolg. Auch das Ausrichten mit einer Zylinderwaage hatte nichts gebracht. FKS hatte die nur mit einer Baumarktüblichen Wasserwaage aufgestellt.

    b) Bei einem (Aufkleber-)Material (MasterTAC PE-Print) habe ich immer gewaltig viel Klebstoff am Messer, da will ich auch nicht ausschließen, ob sich da mal irgendwann vielleicht auch mal mit jeder Schnittbewegung Klebstoff irgendwo hinbewegt hat, dass z.B. die Führung nicht mehr ordentlich läuft aber da hat trotz Hinweis keiner tiefgehender nach geschaut bzw. was beim großen "Einblick" entdeckt.


    Mittlerweiloe bin ich verunsichter hoch 10. Sind meine 0,5mm Unterschied jammern auf hohen Niveau oder Normal? Wenn nicht, sind andere Maschinen wirklich so viel besser oder sollte die das auch hinbekommen? Und falls das alles Normal ist, gibt es da nen Tipp für weitere Verarbeitungen? Beim Falzen wandert förmlich die Grafik aus der Falz und im Lagenfalz stelle ich anfangs das ganze so ein, dass die vordere Lage nach Oben kommt, damit dort die hintere Lage nicht mehr zu sehen. Ein paar Exemplare später muss ich genau gegenkorrigeren, weil mir von Unten die Hintere Lage zuwinkt. Noch schlimmer ist das nur noch meine Cylos Airspeed zum Nuten etc. da wird der Stapel vorne angelgt und wird eigentlich links und rechts geführt. Geht aber nicht, da die Anschlagsbacken eben den unteren Bogen schon festhalten während die oberen recht locker liegen, was sich dann beim Einzug bemerkbar macht, dass die Nut dann alles andere als gerade ist,. Bei Klappvisitenkarten (Offen 170 x 55mm), die man da zu 2 oder 3 Nutzen für die nötige Breite durchlässt dann sehr unschön, wenn nach dem zuklappen dann Oben oder Unten 1mm der hinteren Seite rausgucken. Da hab ich irgendwie einen Anspruch, dass das genau passend sein muss.


    So, und nun wünsche ich noch einen schönen Abend.

  • Dreieckspixel

    Hat den Titel des Themas von „Passt meine Maschine zu meinem Anspruch“ zu „Passt meine Maschine zu meinem Anspruch (nur Problem?)“ geändert.
  • Guten Morgen Dreieckspixel!


    Zuerst wie immer ein herzliches Willkommen hier im Forum.

    Die Geschichte ist lang und beinhaltet viele viele Fragen. Ich habe deshalb eine "Konversation" begonnen und darin einen Besuch angeboten. Ich denke es wird schon Stunden dauern um vor Ort alles abzuklären. Hier im Forum ist so etwas sehr schwer.


    Außerdem habe ich die Nordsee schon lange nicht mehr gesehen.

    Klaus