Buchbinderquiz Nr.3

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  • Einverstanden!

    Es geht um den Begriff „Flattermarken“. Achtung der Begriff ist gemein! Was ist eine Flattermarke.


    a) Eine wackelige Anlegemarke in einer Maschine, die dazu führt, dass die Produkte in der Maschine nicht richtig positioniert und dadurch ungleichmäßig gefertigt werden?


    b) Mitgedruckte Markierung am Rücken der einzelnen Lagen eines Buches, damit man die Reihenfolge und die korrekte Menge der Lagen am gesamten Buchblock einfach prüfen kann.


    c) Werbeplakat, das sich kräftig im Wind bewegt und so Aufmerksamkeit erringt.


    d) Alter Begriff aus dem Bleisatz (Buchdruck) der das Ende eines Absatzes bei Flattersatz (nur linksbündiger fortlaufender Text) beschreibt.


    e) Begriff aus der Briefmarkenfertigung, der eine Marke mit zu schwach aufgetragenem Klebstoff definiert.


    f) Mitgedruckte Markierung auf Faltschachteln damit man bei Einlegen der Faltschachteln in Verpackungsmaschinen die richtige Verpackung zum richtigen Inhalt bekommt.


    Welcher oder welche Begriffe sind richtig?

    Viel Spaß

    Klaus

  • Ich denke es ist an der Zeit das Rätsel aufzulösen.


    Den Begriff „Flattermarken“ kannte ich zuerst aus der Industriebuchbinderei. Die Handwerksbuchbinder, die ja nur ein und nicht hunderte gleiche Bücher erstellen, kontrollieren da eher die Seitenzahlen. Später habe ich nicht schlecht gestaunt als ich auf einer Medikamentenverpackung eine Flattermarke sah. Und als ich dann wieder viele Jahre später eine Verpackungsmaschine für Faltschachteln mit aufgestellt hatte, war dann der Zusammenhang schnell klar.


    Im Einzelnen:

    a) Eine wackelige Anlegemarke in einer Maschine, die dazu führt, dass die Produkte in der Maschine nicht richtig positioniert und dadurch ungleichmäßig gefertigt werden?

    Das ist nicht korrekt. Wenn die Anlage nicht ordentlich funktioniert nennt man das Ergebnis wohl eher Standprobleme Denn zum Beispiel wandert das Druckbild in solchen Fällen unkontrolliert von Produkt zu Produkt. Das soll heißen die Position (der Stand) des Druckbildes auf dem fertigen Produkt ist uneinheitlich.


    b) Mitgedruckte Markierung am Rücken der einzelnen Lagen eines Buches, damit man die Reihenfolge und die korrekte Menge der Lagen am gesamten Buchblock einfach prüfen kann.

    Das ist definitiv richtig. Dazu habe ich bei Wikipedia ein Foto gefunden.



    Man sieht einen zusammengetragenen Buchblock. Die nach rechts oben ansteigenden mitgedruckten schwarzen Rechtecke geben dem Buchbinder einen guten Überblick über die richtige Reihenfolgen der einzelnen Lagen. Das Foto bei Wikipedia ist gut aber nicht ganz geeignet. Der gezeigte Buchblock wurde maschinell Fadengeheftet und dann als Buchblock beschnitten. Zudem Zeitpunkt war die Flattermarke wichtig. Später hat ein Buchbinder das Buch zerlegt und die alte Fadenheftung entfernt. Jetzt reicht es nicht mehr aus die Position der Lagen zu kontrollieren, denn die einzelnen Doppelseiten sind ja durch den ersten Beschnitt des Buchblocks nicht mehr als Lage miteinander verbunden. Das soll heißen: in so einem Fall ist es besser die Seitenzahlen durch zu sehen.


    c) Werbeplakat, das sich kräftig im Wind bewegt und so Aufmerksamkeit erringt.

    Das ist natürlich frei erfunden. Ich hatte an ein Markenzeichen gedacht (zum Beispiel ein Mercedes-Stern), welches auf eine Fahne frei im Wind flattert. Das wäre dann ein flatterndes Firmen- oder Markenzeichen aber keine Flattermarke.


    d) Alter Begriff aus dem Bleisatz (Buchdruck) der das Ende eines Absatzes bei Flattersatz (nur linksbündiger fortlaufender Text) beschreibt.

    Das ist auch frei erfunden. Wobei es den Flattersatz wirklich gibt. Beim Flattersatz stehen die Zeilen links bündig untereinander und rechts ist das Zeilenende zufällig, bzw. dort wo das letzte Wort endet. Das wäre auch bei einem Buch in Flattersatz so. Also die linke und die rechte Buchseite wäre jeweils auf der links Seite bündig bedruckt und rechts doch recht chaotisch. Das Ergebnis sieht fürchterlich aus. Deshalb gibt es den Zeilenausgleich beim Blocksatz zwischen Wörtern. Dann sind die Zeilen auf den Buchseiten immer links UND rechts bündig und damit harmonisch gestaltet.


    e) Begriff aus der Briefmarkenfertigung, der eine Marke mit zu schwach aufgetragenem Klebstoff definiert.

    Das ist auch frei erfunden. Aber ich fand es als Kind schon immer lustig die Briefmarken anzulecken und dann auf den Umschlag zu kleben. Hatte ich den Klebstoff nicht komplett angefeuchtet oder die Marke nicht ordentlich auf den Umschlaggedrückt flatterten die Ecken als Erstes.


    f) Mitgedruckte Markierung auf Faltschachteln damit man bei Einlegen der Faltschachteln in Verpackungsmaschinen die richtige Verpackung zum richtigen Inhalt bekommt.

    Das ist korrekt. Ich habe dazu zwei Fotos einer Arzneimittelverpackung gemacht.



    Das erste Foto zeigt, die ausgestanzte und noch ungeklebte Faltschachtel mit den Flattermarken.



    Das zweite Foto zeigt die Anwendung der Flattermarke. Zwei Faltschachteln liegen übereinander. Man kann sehen, dass die Flattermarken auch übereinander liegen. In der Pharmaindustrie, gibt es strenge Regeln damit das richtig Präparat auch wirklich in die richtige Faltschachtel kommt.


    Also ist das Ergebnis dieses Rätsels b) und f)

    oder

    ein Internetzugang für Wikipedia. Da hat man auch das richtige Ergebnis.


    Klaus

  • Generell halte ich Wikipedia nicht für zitierfähig - bei allen wissenschaftlichen Arbeiten ist dies so, was seine Gründe hat.


    Konkret: Flattermarke im Buchbereich ist unstrittig.


    @Klaus: kennst Du ein Fachbuch, in welchem dies für die Faltschachtel so steht? Hast Du die Bilder der Faltschachtel selber gemacht?


    Danke Dir.

  • Ich bin mir an der Stelle auch unsicher. Ich kenne (kannte) die Flattermarke bisher nur auf den Falzlagen ...

    Anscheinend wird der Begriff aber auch in der Verpackungsindustrie genutzt. Das hier habe ich bei Google-Books gefunden.


    Qualitätsmanagement Lebensmittel: Vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt - Klaus Pichhardt - Google Books

  • Ja, die Fotos der Faltschalteln sind von mir. Das sind Tabletten für schlechte Leberwerte - Prost! Na, ja ..... Bei mir waren es böse Gifte der Chemotherapie, die die Leber angegriffen haben. Aber ich lebe und nur das zählt.


    Ich glaube nicht, das es viel Fachliteratur zu Faltschachteln gibt. Als ich vor 10 Jahren mit Faltschachteln zu tun hatte, habe ich nichts gefunden.

    Meine Tätigkeit waren Aufstellung und Schulung für Horizontalkartonierer. Das sind Maschinen, die alle möglichen Produkte von der Seiten in Faltschachteln einschieben und dann die Schachtel schließen, bedrucken, wiegen und in großen Mengen in Wellpappkartons verpacken. Gefrorene Pizza, elektrische Zahnbürsten, Eiscreme, Fertigsuppen, es gab einiges zu sehen aber nicht zum Probieren. Dadurch habe ich natürlich die Stapel der Faltschachteln in den Anlegern gesehen. Und wenn man mithilft bekommt man auch gesagt worauf zu achten ist. Beim Einrichten der Maschine werden die Faltschachteln kurz kontrolliert und dann geht's los. Da hat keiner die Zeit den Druck der Faltschteln zu lesen. Ist der Stapel im Anleger einheitlich, ist es gut. Passen die Schachteln nicht zusammen gibt es ein Problem.

    Was den Begriff "Flattermarke" bei Faltschachteln betrifft, kann ich keinen Beweis liefern. Ich war nur im Ausland unterwegs und dort war es immer der Code. Die Leute, die mir das Wissen um Faltschachteln beigebracht haben, verwendeten den Begriff "Markierung" oder "Sicherheitsmarkierung".


    Wikipedia hat wirklich Schwachstellen. Zum Beispiel der Artikel über den Planschneider stammt im Kern von mir. Mittlerweile hat jemand ein Foto einer Pappschere als Planschneider eingeschmuggelt. Eine Schere ist etwas ganz anderes als ein Planschneider.


    Klaus